Gelassenheit zulassen

© Nicole Gneiting

Gönne dir einen Augenblick der Ruhe, und du begreifst, wie närrisch du herumgelaufen bist. Tschen Tschin

Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Lukas 12,18-20

Es ist gar nicht immer einfach zur Ruhe zu kommen. Gedanken raunen mir zu "Tu etwas". Du kannst doch nicht einfach nur rumsitzen. So verschiebe ich sie, die Ruhe. Heute Abend, wenn alles erledigt ist, dann kannst du ruhig werden. Das Schlimme ist, dann bin ich so erledigt von allen Eindrücken und spüre, was ich nicht geschafft habe, dass Ruhe sich erst recht nicht einstellen möchte. Gibt es ein Zuviel in den Aufgaben? Wahrscheinlich schon. 
Für mich ist der frühe Morgen die beste Zeit. Es ist still um mich herum. Mit einer Tasse Kaffee sitze ich einfach nur da. Fühle mich verbunden mit meinen inneren Regungen, die ich aus den Träumen der Nacht mitgebracht habe. Von da aus schaue ich auf den Tag, beginne ein Gespräch mit Gott. Antworten, Gedanken, Gefühle und Impulse stellen sich wie von selbst ein.

Guter Gott,heute möchte ich dankbar sein für meine Lebenszeit.Dankbar für den Tag, der mir geschenkt ist und dass ich entscheiden darf, für was ich meine Zeit verwenden möchte. Hilf mir Raum zu schaffen für dich. Amen

Nicole Gneiting

Dienstag, 07.07.2020

Kein Drilling, aber Geschwister!

© M. Haist

© M. Haist

Letztes Mal schrieb ich über „den Zwilling“ der Thomaskirche, der ebenfalls 1961 erbaut wurde und in Rechberghausen bei Göppingen steht. Die Jesus-Christus-Kirche ist baugleich mit zwei Stockwerken, nur ein Anbau fehlt. 

Nun zu den Verwandtschaftsverhältnissen der Kirchen, die vom Architekten Professor Paul Heim geplant wurden: Wie Kollege Markus Herb aus Rechberghausen schreibt, ist die Michaelskirche in Baiersbronn-Friedrichstal kein Zwilling, sondern die „Mutter“, der Urentwurf, und die anderen Kirchen sind Geschwister.

Da, wo wir an der Thomaskirche den Sakristeianbau haben, ist in Rechberghausen ein riesiges Relief zu sehen! Was Professor Paul Heim architektonisch und geistlich bewogen hat, geht aus den Worten hervor, die er in geschwungener Handschrift an die Kirchengemeinde Rechberghausen schrieb:


„Stuttg. 8. Juli 1985 Grußwort des Architekten zum 25-jährigen Jubiläum der JesusChristusKirche in Rechberghausen bei Göppingen. Ich habe mit der 1951 erbauten Zentralraumkirche in Friedrichstal bei Freudenstadt so viel Anklang gefunden, dass 5 Kirchengemeinden im Lauf der nächsten 15 Jahre mit mir ähnliche Kirchen bauten darunter 1961 auch die Gemeinde Rechberghausen. Die andern stehen in Arnbach, Ebingen, Herrlingen a. D. u. Thomashardt. Meist an Hanglage, so dass besonders günstig oben die Kirche u. darunter der Gemeindesaal gebaut werden konnte. Im Schwarzwald in Holz, sie mit Betonfertigteilen, andre in Natur- und Backstein. Die Rechberghausener Kirche ist darunter die am reichsten mit Werken der christlichen Kunst geschmückte. Kein Wunder, dass Sie Ihre Kirche lieb haben und nächstes Jahr ihr 25jähriges Jubiläum feiern wollen. Es freut mich, dass Sie den Architekten nicht vergessen haben, tun Sie das auch nicht beim Maler, meinem verstorbenen Schulkameraden Albrecht Braun. Die 3 Betonreliefs Kreuzigung, Auferstehung u. Pfingsten sowie das Sgraffitto Michaels Kampf mit dem Drachen, Stiftung von Ihren Ortsarzteheleuten Dr. Class u. Frau. Den Segensquell aus dem die grossen Taten des VATER´s, des SOHNES und des Heiligen Geistes strömen, hat er uns mit Bildwerken hinterlassen. Sie zu unserer Rettung nicht nur mit den äusseren Augen anzuschauen, sondern mit den inneren Augen des Herzens beleben die Aufgabe von der Taufe zur Konfirmation, von der Hochzeit, der Trauerfeier, dem Religionsunterricht, der Predigt u. der Kirchenmusik. Wie auch die hochstrebende Gliederung der Kirchenwände, des Daches mit Türen im Äusseren, aber auch im Inneren des Kirchenraumes. Alles sei Mahnung in uns den Drachen der reinen Diesseitigkeit zu überwinden: Dafür die Ziele anzustreben, die im Symbol des Gotteshauses der Heiliggeisttaube gegeben sind.So Gott will u. wir leben. – Ich bin dies Jahr schon 80 geworden – Auf Wiedersehen bei der Feier! Ihr Architekt Paul Heim“


Ein Foto des genannten Reliefs füge ich bei und ein Foto einer älteren „Schwesterkirche“, der Lutherkirche in Neuenbürg-Arnbach.

Marlies Haist

Montag, 06.07.2020

Ein Stück Stoff für die Nächstenliebe

© Lehmann

In diesen Tagen werden an vielen Orten die Rufe nach Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen lauter. Menschen demonstrieren, weil sie um ihre Grundrechte fürchten.

Aber schränkt ein Stück Stoff und respektvolles Abstandhalten unsere Grundrechte tatsächlich so stark ein? Worauf müssen wir dieser Tage verzichten? Sind Fußballspiele, Konzerte, Kino und Theater wirklich lebensnotwendige Dinge? Oder nehmen wir uns und unsere Wünsche zu wichtig?

Wenn ich an die Menschen dieser Welt denke, denen das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf und medizinische Versorgung fehlen, die in Armut, Krieg oder Diktaturen leben, ist es dann wirklich so schlimm, dass wir in dieser außergewöhnlichen Zeit auf bestimmte Veranstaltungen und Aktivitäten verzichten müssen?

Viele unserer Eltern und Großeltern haben durch den Krieg zum Teil einschneidende Einschränkungen wie Verlust der Heimat, Flucht, Armut, Hunger und Kälte erleben müssen. Daneben erscheint es mir das Problem der Menschen, die sich darüber beklagen, dass wir an bestimmten Orten ein Stückchen Stoff vor Mund und Nase tragen sollen, doch sehr unbedeutend.

Wir können im Frieden leben, haben ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und besitzen zahlreiche Luxusgüter wie Telefon, Fernseher und Auto. Zudem haben wir eine herrliche Natur um uns herum, in der wir uns frei bewegen dürfen.Stellt ein Mund-Nasen-Schutz wirklich eine unzumutbare Belastung dar?   

Viele Berufsgruppen trugen auch vor der Corona-Pandemie schon immer einen solchen zum Schutz ihrer Mitmenschen. Oder würden Sie sich gerne von einem Chirurgen operieren lassen, der keinen Mund-Nasen-Schutz trägt?

Schon eine einfache Alltagsmaske kann zur Eindämmung der Pandemie beitragen und somit Leben retten. In unserem persönlichen Umfeld haben wir erlebt, dass durch das Virus nicht „nur“ alte und kranke Menschen, sondern auch junge, gesunde Menschen schwer erkranken können. 

Ich sehe es deshalb als Geste des Respektes und der christlichen Nächstenliebe, wenn wir zum Wohl unserer Mitmenschen wo nötig einen Mund-Nasen-Schutz tragen und wenn möglich den nötigen Abstand bewahren. Ein Virus hält sich leider nicht an vorgegebene Sitzplätze und Abstandsregeln!

Bleiben Sie behütet und gesund!

Birgit Vetter

Samstag, 04.07.2020

Rettung

© Lehmann

Wer mit einer gewissen Regelmäßigkeit für diakonische Aufgaben spendet, dem flattern gerade in diesen Wochen vermehrt Spendenbitten aller Art ins Haus. Denn nicht nur in unserm Land leiden Menschen unter den Einschränkungen und Schwierigkeiten, die durch die Corona-Krise bedingt sind, sondern in anderen Ländern, vor allem dort, wo vorher schon Not herrschte, wird die Lage für die Armen zunehmend dramatischer.

Aber was nützen da unsere in der Regel eher bescheidenen Spenden? Sind sie nicht nur Tropfen auf den heißen Stein? Wir können ja nicht allen helfen – lohnt es sich da überhaupt irgendwo anzufangen?

Dazu die folgende Mutmach-Geschichte mit der Überschrift „Rettung“: 

„Ein Sturm kam auf. Das Meer tobte und meterhohe Wellen brachen sich ohrenbetäubend am Strand. Als das Unwetter nachließ und der Himmel aufklarte, lagen am Strand unzählige Seesterne, die die Wogen auf den Sand gespült hatten.Ein kleines Mädchen lief am Wasser entlang, nahm einen Seestern nach dem anderen in die Hand und warf ihn zurück ins Meer. Ein Spaziergänger sah das und sprach das Mädchen an: „Ach Kleine! Was du da machst, ist vollkommen sinnlos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von Seesternen ist? Die kannst du niemals alle zurück ins Meer werfen! Was du da tust, ändert nicht das Geringste!“Das Mädchen schaute den Mann an. Dann nahm sie den nächsten Seestern und warf ihn in die Fluten. „Für ihn wird es etwas ändern!“  (Verfasser unbekannt)

Alfred Hägele

Freitag, 03.07.2020

© Nicole Gneiting

Gott gab uns Atem...

Lied von Eckart Brücken, EG 432 

Ich möchte heute daran denken, dass mit jedem Atemzug Gottes Atem durch mich hindurchfließt. Mal schauen, was sich im Denken, Fühlen und Handeln verändert ........

Nicole Gneiting

Donnerstag, 02.07.2020

© GEP

© Plassmann

Dienstag, 30.06.2020

Rasen

© Lotz

Vor Jahren las ich einmal in einer Kolumne, es sei schon seltsam: Wer politisch liberal sei und das Gras im Garten wild wachsen lasse, fördere eigentlich einen grausamen Sozialdarwinismus unter den Pflanzen. Wer den Rasen exakt trimme, verrate dagegen eine radikale sozialistische Gesinnung der „Gleichmacherei“.

Die politischen Gleichsetzungen sind natürlich veraltet, krumm und schief, aber warum schreibe ich das? Weil so banale Dinge wie Gartenarbeit mich auch zum Philosophieren bringen.

Ich denke an Jesu Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. Man muss manches erst wachsen lassen, bevor man es beurteilt – und ernten kann. Und überhaupt: Was ist denn Unkraut? Im Garten lasse ich gerne Wildkräuter stehen, damit sie die Wildbienen und Hummeln ernähren, aber andere Pflanzen reiße ich raus.

Wie mache ich es denn im Leben und bei meiner Arbeit?

Wo greife ich ein, wo muss ich einen Einschnitt vornehmen und wo kann ich getrost etwas wachsen lassen?

Jetzt und hier fälle ich meine Entscheidungen, muss sie vertreten und verantworten. Aber das letzte Urteil wird ein Anderer fällen.

Marlies Haist

Montag, 29.06.2020

Eine mutige Frau

© D. Rach

© I. Purina

Heute möchte ich an eine mutige Frau denken, die vor 500 Jahren lebte. Und deren Hochzeitsfeier auf den Tag genau vor 495 Jahren stattfand. Geheiratet wurde zwei Wochen vorher.

Es ist nicht selbstverständlich, dass diese Frau überhaupt geheiratet hat. Wer ein Gelübde ablegt, um als Nonne zu leben, hat nicht vor, irgendwann zu heiraten. Aber das Leben und die Welt verändern sich.

Ins Kloster gelangen heimlich die Schriften von Martin Luther. Unter anderem sagen sie, man muss Gottes Liebe nicht verdienen (mit guten Werken). Gott hat die Menschen sowieso lieb.

In der Osternacht 1523 fliehen einige Nonnen aus dem Kloster Nimbschen nach Wittenberg. Unter ihnen ist Katharina von Bora. Sie lebt bei der Familie des berühmten Malers Lucas Cranach. Hier lernt sie auch Martin Luther kennen. Er ist ein ehemaliger Mönch (und nicht nur das, seine Schriften gegen Ablasshandel haben das kirchliche Leben sehr verändert) und vermutlich 16 Jahre älter als sie. Eigentlich will er gar nicht heiraten. Aber sie braucht den Schutz eines Mannes und einen anderen Ehemann findet man trotz aller Bemühungen für Katharina von Bora nicht.

Als beide heiraten und dann ihr erstes Kind erwarten, ist das Gerede groß – es kann nichts Gutes aus dieser Verbindung entstehen.

Aber es wird eine gegenseitig bereichernde Verbindung.

Sie führt den Haushalt. Es ist nicht nur putzen, kochen und sechs Kinder großziehen. Es ist ein kleines Unternehmen. Katharina von Bora kauft (lässt ihren Mann kaufen) mehrere Grundstücke und darauf wird Gemüse angebaut. Sie lässt Teiche für die Fische einrichten. Sie vermietet die Zimmer an Studenten - die Familie lebt im ehemaligen Augustinerkloster und es gibt genug Mönchszellen. Bis zu 40 Personen wohnen zeitweise bei Luthers (auch Familienangehörige und Glaubensflüchtlinge). Martin Luther nennt seine Frau liebevoll und voller Respekt „mein Herr Käthe“.

Die Skulptur von der Bildhauerin Nina Koch aus dem Jahr 1999 vor dem ehemaligen Augustinerkloster in Wittenberg zeigt eine energische Katharina von Bora. So stelle ich sie mir vor – schnellen Schrittes laufend vom Stall in den Garten, von ihren Haushaltsbüchern zu ihrer Freundin und Trauzeugin Barbara Cranach, sonntags in die Kirche und werktags zu Hause nach dem Rechten schauend.

Mutig ist Katharina von Bora in meinen Augen, weil sie das Vertraute und Schützende des Klosters verlässt und neues Leben in einer unbekannten Stadt wagt. Weil sie einen Menschen heiratet, der vom Papst aus der Kirche ausgeschlossen und vom Kaiser geächtet wurde. Weil sie tut, was getan werden muss, damit die Familie und viele andere Menschen unter ihrem Dach satt und geborgen sein können. Wenn ich an ihrer Skulptur in Wittenberg stehe, spüre ich die Verbindung zu ihr und zu vielen Menschen ihrer Zeit. Sie haben mutig vieles gewagt, damit ich 500 Jahre später Pfarrerin in einer evangelischen Kirche sein darf. Unglaublich mutig!

Ilze Druviņa 

Samstag, 27.06.2020

Schätze aus dem Gesangbuch

Gesangbuchtüren in der Friedenskirche

© W. Böger

Gesangbuchtüren in der Friedenskirche

Eine fast unerschöpfliche Quelle für Mutmach-Gedanken ist unser Gesangbuch.

Zu Besuchen bei Gemeindegliedern anlässlich von Geburtstagen oder in anderen Situationen hatte ich fast immer das Gesangbuch dabei. Und meistens las ich dann, je nach Situation oder Wunsch, einen Psalm, einen Zwischentext oder ein Lied. Manchmal sang ich es auch und begleitete den Gesang, wenn vorhanden, auf dem Klavier. Einmal erlebte ich, dass eine über 90-jährige Frau ein Jahr später das Lied, das ich für sie gesungen hatte, freudestrahlend vortrug; sie hatte es, weil der Text ihr so gefallen hatte, auswendig gelernt. 

Es gibt alte Lieder, die uns auch über Jahrhunderte hinweg noch unmittelbar ansprechen und trösten und ermutigen können; dazu gehören z. B. viele Lieder von Paul Gerhardt. Andere freilich sind für uns heute schwer zugänglich. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche gute neue Lieder, die in dem Ergänzungsliederbüchlein „Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder“ und  „... neue Lieder plus“ enthalten sind. Eines möchte ich Ihnen hier nennen und ein paar Strophen davon zitieren. Bei allem Bedrückenden, das wir in letzter Zeit erlebt haben – ich selbst musste vor ein paar Wochen einen langjährigen sehr guten Freund beerdigen, der an Corona gestorben ist – und bei allen unsicheren Aussichten im Blick auf die kommenden Monate ist es, denke ich, wichtig, dass wir das nicht vergessen, was nach wie vor Bestand hat und was schön und dankenswert ist. 

Also hier 2 Strophen aus dem Liederbüchlein „Wo wir dich loben ...“ Nr. 15: 

„Dass die Sonne jeden Tag wieder neu am Himmel steht, dass in deinem Wissen, Gott, das Geringste nicht verweht: Dafür danken wir dir, Gott, der du alles mit uns teilst, unsere Freude, unser Leid, ja unser Leben.

Dass die Not, die uns bedrückt, von dir selbst erlitten ist, weil du, Gott, in deinem Sohn uns ganz nah geworden bist: Dafür danken wir dir, Gott, der du alles mit uns teilst, unsere Freude, unser Leid, ja unser Leben.“

Vielleicht werden Sie neugierig und lesen auch die anderen Strophen und weitere alte und neue Lieder. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.

Alfred Hägele

Freitag, 26.06.2020

Zwilling

© M. Haist

© M. Haist

Die Thomaskirche im Ebinger Osten ist nach dem Jünger Thomas benannt, dem der Evangelist Johannes auch den griechischen Beinamen „Zwilling“ gab. Sein griechischer Name Thomas geht auf das aramäische Wort für Zwilling zurück. „Der ungläubige“ Thomas ist der Jünger, der erst glaubte, dass Jesus auferstanden ist, als der ihm erlaubte, seine Wunden anzufassen. Dann konnte er glauben und bekennen: „Mein Herr und mein Gott“! So lesen wir im Johannesevangelium.

Die Thomaskirche hat jedenfalls einen Zwilling! Kürzlich schrieb ich an dieser Stelle über die Michaelskirche in Baiersbronn-Friedrichstal, 1949-1951 erbaut. Aber die ist nur „die ältere Schwester“, wie mir jemand schrieb. Der Erzengel Michael tritt übrigens schon im Buch des Propheten Daniel als siegreicher Beschützer des Gottesvolkes Israel und als Kämpfer gegen andere Engelfürsten in Erscheinung (10,13ff. und 12,1).

Die Zwillingskirche unserer Thomaskirche steht in Rechberghausen bei Göppingen, heißt Jesus-Christus-Kirche und ist ebenfalls 1961 nach dem Entwurf von Professor Paul Heim entstanden. Sie ist baugleich, hat aber nur einen Anbau und der Eingang ist an der Seite. Da, wo bei uns der Sakristeianbau ist, befindet sich ein riesiges Fresko: Der Engel Michael tötet den Drachen (Offenbarung 12,7). 

Auf der Wiese kann ein Labyrinth nach dem Vorbild der Kathedrale in Chartres begangen werden. 

Der Stuttgarter Architekt Paul Heim (1905-1988) war übrigens auch am Wiederaufbau der 1945 zerstörten Freudenstädter Stadtkirche beteiligt, in der meine Familie väterlicherseits und ich mit meinen Geschwistern getauft und konfirmiert wurden.

Es ist anzunehmen, dass es bei der regen Bautätigkeit nach dem Krieg für alle Beteiligten die kostengünstigste Möglichkeit war, auf einen bestehenden Entwurf zurückzugreifen.

Ob es irgendwo noch einen Drilling gibt? Im Internet habe ich tatsächlich noch eine Kirche gefunden, aber das gibt eine Überraschung für die nächste Kolumne… 

Es macht auch Mut, wenn jemand auf unsere „Mutmachgedanken“ reagiert und sein Wissen beisteuert. Danke! Berg und Tal kommen nicht zusammen, aber die Menschen – auch in diesen Zeiten. Die Welt und unsere Köpfe sind manchmal klein, aber Gott ist groß. Und ich habe in nächster Zeit noch einige Grundsteine und Bibelsprüche zu suchen – und dafür mit meinen dortigen Kollegen in Kontakt zu treten.

Marlies Haist

Donnerstag, 25.06.2020

Wir dürfen hoffen

© Braun-Rist

wir dürfen hoffen
wir dürfen hoffen, dass unsere Bohnenkerne keimen,
wir dürfen hoffen, dass die Bohnenranken Früchte tragen,
wir dürfen hoffen, dass die Sonne scheint und dass Regen fällt,
wir dürfen hoffen, dass wir uns bald wieder in die Arme schließen können!

Wir sehen die Regenbogen an vielen Fenstern und wissen, dass wir hoffen und glauben dürfen!

Sabine Braun-Rist

Mittwoch, 24.06.2020


Der Sommer riecht nach...

© Druvina

  • dem zarten Duft der Pfingstrosen und dem betörenden Jasmin,
  • der Erde nach dem Regen,
  • nach frisch gemähtem Gras und Heu,
  • nach dem Chlor des Schwimmbades,
  • nach gekühltem Weißwein,
  • nach Eiskaffee,
  • nach Leichtigkeit,
  • nach Wärme,
  • nach Sonne,
  • nach Leben.

Am 23. Juni und 24. Juni wird in Lettland die Sommersonnenwende gefeiert. Wer kann, fährt aufs Land.

Der Abend riecht nach Feuer, Wiesenblumen (jedes Mädchen und jede Frau trägt einen Kranz daraus), Bier und Käse mit Kümmel. Man bleibt am Feuer, bis die Dunkelheit dem ersten Licht weicht. Es soll eine magische Nacht sein. Es gibt viele Sprichwörter darüber. Am Abend soll man mit den Nachbarinnen reden, damit man das ganze Jahr keinen Streit hat. Wer in dieser Nacht schläft, wird den ganzen Sommer verschlafen. So weit wie das Licht des Feuers über die Felder reicht, so weit wird das Getreide gedeihen (von Kartoffeln ist nicht die Rede in den Sprichwörtern, weil diese auf die Zeit vor den Kartoffeln in Europa zurückgehen). Wer unverheiratet ist, kann in dieser Nacht mit verschiedenen Tricks den Zukünftigen / die Zukünftige erfahren. Wer am Morgen vom Johannestag im Tau badet, der/die wird gesund und schön sein.Über viele Sprichwörter kann man schmunzeln, aber diese Nacht bringt Familien und Freunde zusammen (wie wird dies dieses Jahr sein?) und ruft die Verbundenheit mit der Natur ins Bewusstsein.

Ilze Druviņa 

Dienstag, 23.06.2020

Begegnungen

© Aline Straub

"Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen." Guy de Maupassant

Alles scheint Schritt für Schritt wieder in die Normalität überzugehen. Ich freue mich bald wieder den gewohnten Rhythmus im Alltag mit meiner Familie, Freunden und Kolleginnen zu erleben.

Die letzten Monate waren beängstigend und fremd!

Unser Zusammenhalt als Familie und einige Begegnungen mit den Menschen in unserem nahen Umfeld haben mir jedoch immer Mut gemacht. Natürlich alles auf Abstand – trotzdem sehr herzlich, hilfsbereit, mitfühlend und rücksichtsvoll! Dazu kommt die Freude Menschen zu sehen, die ich vermisst habe - mir wird ganz deutlich klar, es sind die Begegnungen mit den Menschen, die das Leben lebenswert machen! Gemeinschaft und Liebe zu erfahren und nicht alleine durch schwere Zeiten gehen zu müssen, das ist ein wahrer Segen, dafür bin ich jeden Tag sehr dankbar! Nicht jede Begegnung ist einfach, trotzdem gehört sie zu unserem Leben und lässt uns, vielleicht auch erst nach mancher Überlegung, über unseren eignen Horizont hinausschauen. Manchmal einsam doch irgendwie immer gemeinsam, sind wir einen guten Weg durch die „Corona Zeit“ gegangen.

Ich sehe positiv und gespannt in die Zukunft. Zeit möchte ich mir mehr denn je für die Begegnungen mit Menschen nehmen, denn unser Miteinander bereichert unser Leben so ungemein! 

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Matthäus 18,20

Aline Straub

Montag, 22.06.2020

Besuch

© Druvina

An manchen Tagen kommt der Himmel zu mir,
ein gern gesehener Gast.
 
Er sät Ermutigung in meine Gedanken,
streut Licht auf meine Pläne
und nährt mich mit Sehnsuchtsbrot.
 
Meinen Fragen lässt er Raum,
unter seinen Händen schmelzen die Zweifel.
 
Er schenkt mir Hoffnungssträuße,
die duften nach Bleiben
und ihre Farben fallen mir leuchtend
aus Auge und Hand.

© Tina Willms

Samstag, 20.06.2020

Zeit und Geduld

© D. Dauner

Zum Geburtstag bekam ich ein Puzzle mit 1000 Teilen Das Motiv war eine schöne Burg mit viel Wald, Wiese und bunten Herbstbäumen: der Hohenzollern. Eine echte Herausforderung Mit viel Zeit und Geduld wurde es fertig und meine Freude war groß!!

Wenn ich auf Corona schaue dann ist auch Geduld gefragt und vieles braucht Zeit: Die Lockerungen können nicht übers Knie abgebrochen werden, die Entwicklung eines Impfstoffs dauert, wir können nicht irgendwo ein paar schöne Tage verbringen ohne lange Anmeldung. Die Lockerungen gehen vielen Menschen zu zögerlich, die Entwicklung eines Impfstoffs braucht Zeit.

Wann können wir uns wieder spontan in die Arme nehmen, uns begegnen ohne Mundschutz? Wann dürfen wir wieder singen im Gottesdienst? Da ist Geduld gefragt.

Da fällt mir das Lied ein: Alles auf Erden hat seine Zeit, seine bestimmte bemessene Zeit…

Wir haben vielerlei Möglichkeiten was wir tun können: Telefonieren, reden, weinen, spazieren gehen, lachen, das wachsen und gedeihen in der Natur genießen und vieles mehr. 

Dorothee Dauner

Freitag, 19.06.2020

Baugleich und doch anders

© M. Haist

© M. Haist

Was ist der Grund? Manchmal braucht es einen Grund, einer Sache auf den Grund zu gehen und den Grund aller Dinge zu ergründen. 

Ich hörte schon mehrmals von einer Kirche, die wie unsere Thomaskirche von Professor Paul Heim konzipiert und fast baugleich sei. Ich war gespannt. Eine aus unserer Gemeinde recherchierte und fand schnell die Antwort. Und die hat mich überrascht: Diese „Zwillingskirche“ steht in meiner Heimat, im Schwarzwald! Es ist die beliebte Michaelskirche in Baiersbronn-Friedrichstal, etwas außerhalb und schön gelegen. Meine Patentante heiratete dort. Das Foto entstand, als ich meinen Cousinen und ihren Kindern die Traukirche ihrer (Groß-)Eltern zeigte. Da lebte ich schon hier. Warum ist mir die Ähnlichkeit nicht aufgefallen? Weil jede Kirche ein Original ist in unterschiedlicher Größe, Farbgebung, Lage und Atmosphäre.

Beim nächsten Besuch schaue ich nach, ob dort auch ein Bibelspruch zur Grundsteinlegung verewigt ist. Im Untergeschoss der Thomaskirche jedenfalls befindet sich der Hinweis auf die Grundsteinlegung am 11. August 1960 (!) und als Spruch aus der Heiligen Schrift ist 1. Korinther 3,11 vermerkt: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus!

Marlies Haist

Donnerstag, 18.06.2020

Wohin? Wie nah? Womit?

© GEP

Am Anfang war doch alles (relativ) klar. Es gab genaue Vorgaben, was man tun und lassen sollte. Gut - man wusste nicht, wohin die Situation führt. Die Meldungen in den Medien überschlugen sich und vieles machte Angst, was man da sah.

Jetzt sind wir zeitlich ein Stück weiter. Vielleicht gehören wir im Freundes- oder Familienkreis zu den Corona-Betroffenen in welcher Form auch immer. Vielleicht ist diese Zeit einfach vorbei gegangen, ohne dass im näheren Umfeld etwas vorgefallen ist. Doch was kommt nun?

Lockerungen, Öffnungen, immer wieder neue Vorgaben. Wo kann ich mich informieren? Welche Vorgaben gelten nun? Hier vor Ort scheint es noch überschaubar – aber was ist, wenn ich z. B. in ein anderes Bundesland fahren möchte?

Ich muss gestehen: Klare, einheitliche Vorgaben wären mir lieber. Doch ich weiß und akzeptiere, dass es darüber andere Meinungen gibt.

Ich empfinde die jetzige Zeit immer noch als unsicher. Denn ich bin ein Mensch, der gerne plant. Und wenn ich nicht weiß, was nächste Woche oder gar in drei Monaten los ist, macht mir das zu schaffen. Immer noch heißt dies für mich: Übe Geduld! 

Auf meiner Suche in der Bibel ist mir dann diese Stelle begegnet:

Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt. Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Römer 5,3-5)

Über solche Textstellen denke ich dann gerne ein paar Tage nach. Oft ergibt sich dann ein ganz verblüffender Alltagsbezug.

Dagmar Rach

Mittwoch, 17.06.2020

Wahrnehmen: sehen, hören, riechen

© Druvina

© Druvina

Ist Ihnen in den letzten Tagen und Wochen der blaue Himmel aufgefallen? Kein Flugzeug. Keine Kondensstreifen am Himmel. Nur die Wolken. Oder auch mal nur das Blaue des Himmels. Schön.

Als ich in den blauen Himmel schaue, muss ich daran denken, dass Menschen vor mir ihn so gesehen haben. Vor 100 oder 200 Jahren. Im gleichen Gedankenzug wünsche ich mir, dass ich die Stille von damals auch mal erleben dürfte. Aber dies geht noch kaum. Es ist immer ein Geräusch irgendwo. Vielleicht für einen Augenblick ist nachts kein Auto zu hören. Da stehe ich auf dem Balkon und lausche in die Stille.

Ein anderes Mal erfreue ich mich am Geräusch – ich sitze neben einem blühenden Busch und hinter mir summt und brummt es. Die Insekten sind unterwegs. Und daran erfreue ich mich.

Bei der Gartenarbeit grabe ich ein Blumenbeet unter einem blühenden Flieder um. Immer wieder strömt der zarte Fliederduft in meine Nase: was für einen schönen Arbeitsplatz ich habe!

Lauter Kleinigkeiten, die mich an den Psalm 104 denken lassen: Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter (Vers 24)

Ilze Druviņa

Dienstag, 16.06.2020

Das Lachen

© Reichert

Wort zum Tag im Zollernalbkurier vom Dienstag, 09. Juni 2020

Das Lachen

„Drei Dinge helfen“, meint der Philosoph Immanuel Kant aus Königsberg, „die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“ 

Darf ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum Lachen bringen? Trotz Corona?

Der Dekan wacht am Sonntag auf und hat überhaupt keine Lust, den Gottesdienst zu halten. Also bittet er seinen Pfarrer zur Dienstaushilfe darum, und der ist begeistert. Kurz nach 10 Uhr, alle sind in der Kirche, steigt der Dekan in sein Auto und fährt zum Golfplatz. Petrus hat das alles gesehen und meint zu Gott: „So willst Du ihn doch nicht wegkommen lassen?“ „Natürlich nicht“, meint der Herr. Der Dekan steht an einem 5-Par-Loch, schlägt den Ball, der Ball fliegt und fliegt - genau in das Loch hinein. Da meint Petrus zu Gott: „Was war denn das jetzt? Soll das etwa eine Strafe sein?“ „Nun“, sagt Gott und lächelt, „wem will er es erzählen?“

Gewiss, das Leben unter der Pandemie bringt so manche Mühseligkeiten, manche Einschränkung und manchen Frust mit sich. Aber das Lachen, unseren Humor lassen wir uns nicht nehmen. Oder?

Beatus Widmann, Dekan in Balingen

Montag, 15.06.2020

Wann ist die Nacht vorbei?

Sonne geht auf

© original_clipdealer.de

Wenn die Dunkelheit dem Tageslicht weicht?

Wenn die ersten Vogelstimmen noch bei Dunkelheit zu hören sind?

Wenn der Wecker klingelt?

Wenn die Kinder wach sind?

Wenn der Partner / die Partnerin aufsteht?

Wenn der Hund die Decke wegzieht?

Wenn man vergisst den Duschkopf zur Seite zu drehen und der erste Schwall Wasser recht kühl ist?

Wenn der erste Schluck Kaffee getrunken wird?

Wenn das Licht im Nachbarhaus angeht?

Wenn man motiviert aus dem Bett springt?

Wenn man viel zu früh wach wird und die Gedanken vom Wiedereinschlafen abhalten?

Wenn man den letzten Traum zum Tagtraum werden lässt?

Wenn das Morgengebet gesprochen ist?

Oder: Wenn ich im Gesicht meines Nächsten meinen Bruder oder meine Schwester erkenne (jüdische Weisheit)?

 

Gehen Sie in jedem Fall gesegnet und behütet in den Tag!

 

Ilze Druviņa | Dagmar Rach

Samstag, 13.06.2020

Auf der Terrasse

© Foto: Lotz

Der Wetterbericht sagt Sonne und Wärme für die nächsten Tage voraus. Da lade ich mir rasch einen ganz lieben Menschen zum Kaffeetrinken auf meine Terrasse ein.

Ein Tisch von zwei Meter Länge ist sehr vorteilhaft für dieses Vorhaben. Jede von uns beiden sitzt an der Stirnseite des Tisches, womit wir absolut den Mindestabstand einhalten. Für jede von uns decke ich extra: also extra Kaffeekanne, Zuckerdose, Milchkännchen usw.. So muss man sich nichts gegenseitig reichen und die Coronaregeln sind beachtet. Wir werden die Wärme, die blühenden Blumen im Garten, den plätschernden Brunnen sicher sehr genießen. Vor allem aber Kaffee und Kuchen, sowie unser Gespräch über Gott und die Welt. Das alles zusammen wird uns beiden sicher guttun.

Ich freue mich sehr auf diesen Nachmittag und ich bin mir sicher, dass auch meine Besucherin sich freuen wird.

Kleiner Aufwand, viel Freude.

Probieren Sie es doch auch einmal!

Christel Sauter

Freitag, 12.06.2020

Seid dankbar in allen Dingen

© Nicole Gneiting

Wann haben Sie sich das letzte Mal über eine warme Dusche gefreut? 

Für gewöhnlich nehme ich sie als selbstverständlich hin. Gestern Morgen hab ich lange warten können. Das Wasser wurde einfach nicht warm. Die Heizung ist ausgefallen. Zum kalt duschen hatte ich keine Lust. Nach Telefonieren und Warten kam der Heizungsmonteur am Abend noch vorbei. 

Ich habe gespürt, wie dankbar ich bin. Das fehlende warme Wasser hat mir gezeigt, dass es vieles in meinem Alltag gibt, was nicht selbstverständlich ist, ja sogar Luxus. Schade, dass es erst auffällt, wenn es fehlt. 

Daran könnten wir ja was ändern. Wofür sind sie heute dankbar?

Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. 1. Thessalonicher 5,18

Nicole Gneiting

Donnerstag, 11.06.2020

Bildandacht zu Trinitatis

Erstellt vom Gottesdienstinstitut Nürnberg

Hier können Sie die Andacht zu Trinitatis im pdf-Format ansehen und ausdrucken.

Mittwoch, 10.06.2020

Mut im Haus der Diakonie, Ebingen

© GEP

Ilze Druviņa: Was bedeutet Mut für Sie?

Diana Schrade-Geckeler, Geschäftsführerin der Diakonische Bezirksstelle Balingen: Wenn ich über meinen Schatten springe, wenn ich mir etwas zutraue, wenn ich etwas wage. 

ID: Wo haben Sie beruflich Mut gebraucht?

DSG: Ich habe Mut gebraucht, mich auf dieses Projekt einzulassen – das Haus der Diakonie mit der Diakonischen Bezirksstelle und dem KaufWaschCafé. Es braucht Mut, sich auf eine Partnerschaft einzulassen. In diesem Fall mit der Evangelischen Kirchengemeinde Ebingen.

Wenn man etwas Neues wagt, weiß man nicht, wie es ausgeht, wird genug Kundschaft da sein, werden sich genügend Fürsprecher für diese Sache finden.

ID: Was ist Mut für die Mitarbeitenden im KaufWaschCafé?

DSG: Sie brauchen Mut, sich überhaupt auf eine Tätigkeit einzulassen, aus der teilweise langjährigen Isolation durch ihre Langzeitarbeitslosigkeit herauszuwagen, Umgang mit anderen Leuten zu haben. Hier im Laden müssen sie auf Menschen zugehen, sie bedienen, sie fragen, womit man helfen könnte; sich auf kritische Kunden einlassen und mal eine Auseinandersetzung durchstehen. 

Für viele ist die Kasse am Anfang ein Problem. Nach dem Motto: Ich mache alles, aber bitte nicht die Kasse. Und dann langsam Schritt für Schritt meistert man auch die Kasse.

Wie viele andere Menschen auch müssen die Mitarbeitenden (noch) lernen direkt zu sagen, was ihnen nicht passt.

Es braucht Mut, im KaufWaschCafé zu arbeiten.

ID: Wofür bräuchte die Kirchengemeinde Mut?

DSG: Sie bräuchte Mut, neue Projekte anzudenken, sich mit ihrem diakonischen Potential zu zeigen, sich in ein neues Feld einzubringen. Sie bräuchte Mut für die Zusammenarbeit mit neuen Partnern. 

Dienstag, 09.06.2020

Das kostbare Nass

© Grafik: Pfeffer

Während ich diese Zeilen schreibe, fällt Regen – Gott sei Dank!

Die Natur atmet auf. Wald, Wiese, Acker, Garten und Mensch. Endlich Regen. Ersehnt! Lebensnotwendig! Ohne Wasser geht es nicht. Wir alle sind auf das kostbare Nass angewiesen.

Wir sind gesegnet, hier in unserer Heimat, dass es doch immer wieder Regen gibt. Unsere Wälder noch grünen (auch wenn schon erste Schäden durch Trockenheit auftreten), Wiesen blühen, die Äcker Frucht bringen und unsere Gärten blühen und gedeihen. Welch eine Freude für Herz und Gemüt! 

Ich bin dankbar für unsere schöne Landschaft, in der man auch jetzt, in der etwas schwierigen Zeit, sich an Vielem erfreuen kann.

Mit offenen Augen schauen und auch das Kleine und Unscheinbare, wahrnehmen.

Das wünsche ich Ihnen allen. 

Christel Sauter

Montag, 08.06.2020

© GEP

© GEP/Lotz

Herr, bleibe bei uns

© Silke Hamann

Im Mai wäre die Konfirmation unserer Tochter gewesen. Ein Jahr haben wir uns darauf gefreut.Die Konfirmandinnen durften viele schöne Momente erleben. Sie haben eine tolle Freizeit besucht, und ein abwechslungsreiches Programm geboten bekommen. Den Besuch einer Synagoge, beim Roßberg einen Hausdienst übernehmen und vieles mehr. Die Gruppe ist schön zusammengewachsen, unsere Pfarrerin Haist ist den Jugendlichen sehr ans Herz gewachsen. Die Vorfreude war so groß auf den Höhepunkt, die Konfirmation. Die Einladungen waren verschickt, das Menü ausgewählt, die Dekoration gebastelt.

Dann kam alles anders. Die Enttäuschung war riesengroß! Bei meiner Tochter, der Familie und natürlich bei der Verwandtschaft. Mut hat mir unsere Familie gemacht. Alle haben uns getröstet:

- Auch diese Zeit wird vorübergehen!

- Wenn wir dann feiern dürfen, wird es das schönste Fest werden!

Das Wiedersehen mit der Familie und den Freunden, wie sehr sehnen wir uns danach. Natürlich werden da auch Gedanken an meine eigene Konfirmation geweckt. Das Kreuz habe ich zu meiner Konfirmation bekommen, seither begleitet es mich.

Mein Glaube gibt mir Mut.

"Herr bleib bei uns". Darauf hoffe und vertraue ich! 

Silke Hamann, Konfirmandenmutter Thomaskirche

Freitag, 05.06.2020

Der Zilpzalp

Die ersten Tage und Wochen, als durch das Virus das ganze gesellschaftliche Leben zurückgefahren wurde, war alles wie gedämpft, ja gespenstisch. Inzwischen haben wir mehr oder weniger gelernt, mit den Einschränkungen zu leben, und freuen uns über jedes Stück wiedergewonnene Normalität. Aber was ist Normalität? Aus der Achtsamkeit und Ungespurtheit der ersten Zeit möchte ich etwas mitnehmen. 

Es war ein sangloses, gedämpftes Osterfest ohne Jubel. Christi Auferstehung mussten wir im Privaten feiern, seine Spuren in kleinen Begebenheiten des Alltags suchen. Ich habe den Eindruck, dass viele sich auf den Weg gemacht haben, ausgetretene Pfade zu verlassen und das erzwungene Vakuum mit neuen Wegen zu füllen. Im wahrsten Sinn des Wortes: das Weite suchen auf einem Spaziergang „im Freien“.

Sanglos ist dieses Frühjahr, aber gewiss nicht klanglos! Es gibt ein Leben neben uns und außer uns. Das ist ein Trost, den Gott, der Schöpfer, für uns bereit hält. Achten Sie mal auf die verschiedenen Vögel. Welche Stimmen unterscheiden Sie? Es gibt übrigens Vogelstimmen-Apps zum Herunterladen aufs Handy. Alle Vögel sind schon da: Auch der Zilpzalp ist längst wieder da! Er sitzt irgendwo unscheinbar im Gebüsch und singt seinen eigenen Namen. Es sind nur drei oder vier Töne, die dieser kleine Vogel unablässig die Tonleiter rauf und runter singt.  

Lauschen Sie mal. Vielleicht kennen Sie ihn schon lange?

Marlies Haist

Donnerstag, 04.06.2020

Finden Sie die 5 Unterschiede in den Bildern?

© Ott-Schäfer

© Ott-Schäfer

Singen hilft!

© epd_00324416

Post zu bekommen in Corona-Zeiten, das ist schön!

Es ist wie ein Händedruck und ein Augen-Blick, in dem ich voller Freude den „Besucher“ wahrnehme. Beim Lesen merke ich schnell den Ernst des Themas, auch, dass wir im gleichen Boot sitzen und dieselbe Verantwortung tragen. Ich spüre, ich bin nicht mehr allein, denn die Worte erreichen mein Herz. Und so habe ich angefangen und beibehalten, was mir neben Mut und Vertrauen noch empfohlen wurde: Singen hilft!

Mir hilft es wirklich, morgens und abends und immer wieder:

„Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben,

die töne den Klang hast du mir gegeben. 

Von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen,

du Zukunft des Lebens, dir sing ich mein Lied.“

(Fritz Baltruweit/Barbara Hustedt)

Und angefangen hat alles mit einem Brief.

Vielleicht versuchen Sie es auch…

Melanie Retter

Dienstag, 02.06.2020

Worte zu Geist

© Grafik: Pfeffer

Eine kleine Sammlung aus dem Alten Testament.

Und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.

1 Mose 1,2

Wie könnten wir einen Menschen wie diesen finden, in dem der Geist Gottes ist?

1 Mose 41,38

Zu wem redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?

Hi 26,4

Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben

Hi 33,4

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Ps 51,12

Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist

des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.

Jes 11,2

Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: Ich will meinen Geist

auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen.

Jes 44,3

Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das

steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben.

Hes 11,19

So spricht Gott der HERR: Weh den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen und

nichts geschaut haben!

Hes 13,3

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR

Zebaoth. Sach 4,6

Pfingstmontag, 01.06.2020

Bildandacht für Pfingsten

Erstellt vom Gottesdienstinstitut Nürnberg

Hier können Sie die Andacht "Pfingsten in der Familie" im pdf-Format ansehen und drucken.

Pfingstsonntag, 31.05.2020

 

 

Pfingsten in Ephesus

© Herbert Friederich

Es gibt Momente im Leben, die sich im Gedächtnis so fest verankern, dass man sie nicht vergisst. Ein solcher Augenblick war der Samstag vor dem Pfingstfest des Jahres 1991. Mit der Reisegruppe kamen wir zum weitläufigen archäologischen Gelände von Ephesus in Kleinasien. Bevor die Besichtigungstour zum Odeion, zur Kureten- und Hafenstraße, zur Celsusbibliothek, zur Agora und zum Amphitheater begann, wurden wir in ein von Dornen, Disteln und Gestrüpp überwuchertes Gebiet geleitet. Genau hier an dieser Stelle wollten wir Gottesdienst feiern, denn hier stand einst die frühchristliche Marienbasilika. Das einstige Taufbecken, ein Teil des Lettners, der Chorschranke, und der Absiden waren noch zu erkennen. Pfarrer Eberhard Blum legte seiner Predigt den Wochenspruch für die Pfingstwoche zu Grunde: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth“(Sacharja 4,6).

Elf Jahre später, am Sonntag Jubilate 2002, feierten wir mit einer Reisegruppe wieder an der gleichen Stelle einen Gottesdienst. Zu Beginn beteten wir mit Worten des 27. Psalms „Zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn“. Dann nahm ich in der Predigt Bezug auf den einstigen eindrücklichen Gottesdienst und kam dann auf zwei historische Ereignisse zu sprechen, die genau hier, beziehungsweise nicht weit davon entfernt, einst stattgefunden hatten. Im Jahre 431 n.Chr. hatte in den Mauern der Marienbasilika das 3. Ökumenische Konzil stattgefunden. 153 Bischöfe aus der ganzen damals bekannten Welt saßen hier beisammen. Sie beschlossen das Dogma von Maria als der Gottgebärerin. Ein Dogma, das sowohl in der katholischen als auch in der orthodoxen Christenheit bis heute fest verankert ist. Die Marienverehrung hat in allen Jahrhunderten stets eine große Rolle gespielt.

Das andere Ereignis hat im antiken Großstadion stattgefunden. Es handelt sich um die erste antichristliche Demo in der Geschichte, nachzulesen im 19. Kapitel der Apostelgeschichte, in den Versen 23-40 , unter der Überschrift „Der Aufruhr des Demetrius“.

Beide Male hatte ich den Eindruck, als wehe Gottes Geist durch diese Ruinenlandschaft. Hier wirkte einst der große Völkerapostel Paulus. Hier   wurde Kirchengeschichte geschrieben.

Herbert Friederich

Samstag 30.05.2020

Der Diptam

Der Diptam blüht oft um Pfingsten herum. Seine ätherischen Öle sorgen für ein besonderes Phänomen: Bei großer Hitze können sich diese entzünden und darum wird der Diptam auch „brennender Busch“ genannt – in Erinnerung an Mose, dem in so einem der Gott seiner Vorfahren begegnete. Gottes Gabe der Tora am Sinai wird am jüdischen Wochenfest gefeiert. In jüdischen Gemeinden wurde heute Nacht kein Auge zugetan, aber einmal nicht vor Sorgen: An Schavuot wird Tora gelernt, Jerusalem summt und brummt! In den Synagogen wird das Buch Ruth gelesen: Die Moabiterin Ruth sagte zu ihrer Schwiegermutter Noomi: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen… Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ Ruth, die fremde Freundin, ist Teil des Stammbaums Jesu. Jesus hat uns so eine Gottesgabe versprochen, die uns auch Orientierung bietet in den „wüsten“ Etappen des Lebens: Sein Heiliger Geist schenke Ihnen in dieser Zeit so vieler Angst- und Hassbotschaften Kraft, Liebe und Besonnenheit!  

Marlies Haist

Freitag, 29.05.2020

Ein Hoch auf die Nachbarn!

© Nachbarin

Im kleinen Katechismus in der Erklärung zu „Vater Unser“ beschreibt Martin Luther, was denn tägliches Brot heißt. Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, (...), Friede, Gesundheit, gute Freunde. Und als letztes Beispiel kommt: getreue Nachbarn.

Ich hoffe, dass auch Sie in den letzten Wochen denken mussten: Ein Hoch auf die Nachbarn!Nachbarn 2020.Nachbarn aus drei unterschiedlichen Häusern fragen ein älteres Ehepaar, ob man für sie einkaufen dürfte. Alle drei haben bis dahin das Paar nur gegrüßt. Das Paar ist gerührt und nimmt die Hilfe auch an.

Ein Nachbar stellt eine Tüte mit Frühstücksbrötchen am Küchenfenster ab. Zum ersten Mal. An einem Sonntag, an dem kein Gottesdienst stattfindet und alle zu Hause sind.

Ein Nachbar sagt am Telefon: „Ich habe für Dich Salatsetzlinge gepflanzt. Wenn es geregnet hat, bringe ich diese vorbei.“ Zum ersten Mal. Und der Anruf kam, nachdem ich mir vorgenommen habe, dieses Jahr mehr Essbares in meinen Garten zu pflanzen.

Nachbarn geben ihren letzten Vorrat an italienischem Sekt ab, obwohl sie nicht wissen, wann sie diesen wieder aus Italien holen können. 

Ein Nachbar spielt jeden zweiten Abend auf seinem Balkon das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ und zwei weitere Lieder. Es klingt weit. Es kling in die Seele hinein. Und es gibt einen Applaus von Bekannten und Unbekannten.

Eine Nachbarin schickt ein ganz persönliches „Mutmach-Bild“ zu. 

Ein Hoch auf das tägliche Brot!Ein Hoch auf Nachbarn 2020!

Ilze Druviņa

Donnerstag, 28.05.2020

© Grafik: GEP

Mittwoch, 27.05.2020

 

 

Auf, Seele, Gott zu loben

© Gabriele Merz

Corona-Zeit. Düstere Gedanken ergreifen von mir Besitz, mein Glaube schwindet, mir will kein Gebet über die Lippen kommen. Keine Motivation zum Orgel üben, kein gemein¬sames Walken, kein frohes Treffen mit Freunden ist möglich. Es ist Samstagabend, eigentlich wäre Taizé-Abendgebet in der Thomaskirche. Ganz leise beginne ich für mich zu singen „Laudate omnes gentes“ – „Lobsingt ihr Völker alle“. Ich wiederhole den Gesang jetzt etwas kräftiger, mein Mann stimmt mit ein, mein Vertrauen zu Gott und zur Welt kehrt langsam wieder zurück, meine Seele fühlt sich befreit.

Nun setze ich mich ans Klavier, beginne eines meiner Lieblingslieder zu spielen und zu singen „Du meine Seele singe“. Eine Last fällt von mir ab, ich bekomme Kraft. Pfarrerinnen fragen, ob ich an Video-Aufnahmen mitwirke, freudig sage ich zu, das Leben bekommt wieder einen Sinn. Jetzt werde ich sogar ein wenig kreativ und schlage ein eigenes Thema für ein Video vor und darf – mit viel Abstand – sogar zu viert singen. Alle Mitwirkenden sind sehr berührt und gehen anschließend verändert nach Hause. Ein Notenheft fällt mir in die Hände, ich schlage es auf, beginne an der Orgel zu üben, ich muss mich voll konzentrieren, sonst unterlaufen mir sofort Fehler. Ich tauche in die Welt der Musik und des Komponisten ein, gerade ist es Johann Sebastian Bachs „Jesus bleibet meine Freude“. Nun bin ich in einer anderen Welt, alles sieht aus der Perspektive der Musik jetzt weniger bedrohlich aus, ich bin jetzt wieder zuversichtlich und freue mich auf die Herausforderungen, die mich erwarten.

Bei meinen Spaziergängen durch den maigrünen Wald mit den zwitschernden Vögeln und entlang der blühenden Wiesen fallen mir schöne Lieder ein, in mir singt es und klingt es dann „Auf, Seele, Gott zu loben“, „In dir ist Freude“, „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Ich fühle mich leicht, im Einklang mit Gottes herrlicher Schöpfung. Ich bin mir ganz sicher, dass alles zu einem guten Ende kommen wird.

Gabriele Merz

Dienstag, 26.05.2020

PS: Wenn ein Mensch singt, ist es dem Gehirn nicht möglich, Angst zu produzieren. Während des Gesangs ist dieser Bereich blockiert!

Waldspaziergang

© A. Keppner-Bayer

Wenn ich traurig bin, fehlt mir oft der Mut und in dieser „besonderen“ Zeit leider öfters, dann brauche ich Menschen, die mir nahe sind und die mir sagen: „Alles wird gut!“ Dann bin ich auf der Suche nach schönen Momenten. Diese treten mir oft in unvollkommener Weise entgegen. Es gilt die Sinne für kleine, unscheinbare Glücksmomente zu schaffen.

Diese erlebe ich immer wieder in der Natur, besonders im Wald, spüre ich wie es mir gut tut einfach da zu sein, Zeit und Ruhe zu haben, mich selbst zu finden. Durch einen ausgedehnten Waldspaziergang kann ich Alltagsängste abschütteln. Man öffnet seine Sinne auf einzigartige Weise. Das Gefühl wird vermittelt ein Teil eines Großen zu sein. Es ist Balsam für Körper und Seele. Ich entdecke die Tierwelt: Schmetterlinge, Käfer, Ameisen. Man hört die Vögel singen. Wenn ich mich auf einem Baumstamm setze und einfach nur schaue und lausche, da geht mir das Herz auf. Ich fühle mich geborgen und in diesem Augenblick sorglos und frei. Unsere Natur bleibt immer wie sie ist, die Schöpfung Gottes.

Lassen Sie sich beschenken und genießen Sie schöne Momente in unserer Natur. 

Kita Ulrichstrasse Alexandra Keppner-Bayer

Montag, 25.05.2020

Luther zu Christi Himmelfahrt

© N. Gneiting

Christi Himmelfahrt und sein Sitzen zur Rechten Gottes muss man ein tätig und kräftig Ding sein lassen, das immerdar im Schwange geht, und nicht denken, dass er aufgefahren sei, da oben sitze und uns hier regieren lasse. Sondern darum ist er aufgefahren, weil er dort am meisten schaffen und regieren kann. Denn wenn er auf Erden von den Leuten sichtbar geblieben wäre, hätte er nicht so viel schaffen können. Denn es hätten nicht alle Leute bei ihm sein und ihn hören können. Darum hat er es so angefangen, dass er mit allen zu schaffen habe und in allen regiere; dass er ihnen allen predige, sie es alle hören und er bei allen sein könne. Darum hüte dich, dass du nicht so denkst, dass er jetzt weit von uns weg sei, sondern grad umgekehrt: Da er auf Erden war, war er uns zu fern, jetzt ist er uns nahe.

Zitat von Martin Luther

Samstag, 23.05.2020

Herr der Ringe

© D. Rach

Eines meiner Lieblingsbücher ist Tolkiens „Herr der Ringe“. Zum ersten Mal habe ich dieses Meisterwerk der Fantasyliteratur mit 17 gelesen – und ich habe die Geschichten in mich aufgesogen.

Eine Szene, die mich schon damals besonders beeindruckt hat, ist diese: Sam und Frodo sind in Mordor, auf dem langen Weg zum Schicksalsberg, um den Einen Ring zu vernichten, der die Welt durch die Macht seines Herrn Sauron knechtet. Frodo ist schon geschwächt von der Last des Rings, der zunehmend Besitz von ihm ergreift. 

Eines Abends spricht Sam am Lagerfeuer zu ihm und reißt ihn aus seinen eigenen, trüben Gedanken: “Das ist wie in den großen Geschichten, Herr Frodo, in denen, die wirklich wichtig waren. Voller Dunkelheit und Gefahren waren sie. Und manchmal wollte man das Ende gar nicht wissen, denn wie könnte so eine Geschichte gut ausgehen? Wie könnte die Welt wieder so wie vorher werden, wenn so viel Schlimmes passiert ist? Aber letzten Endes geht auch er vorüber, dieser Schatten. Selbst die Dunkelheit muss weichen. Ein neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen. Das waren die Geschichten, die einem im Gedächtnis bleiben, selbst, wenn man noch zu klein war, um sie zu verstehen. Aber ich glaube, Herr Frodo, ich versteh‘ jetzt. Ich weiß jetzt: Die Leute in diesen Geschichten hatten stets die Gelegenheit umzukehren, nur taten sie’s nicht. Sie gingen weiter, weil sie an irgendetwas geglaubt haben! Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo und dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

Viele Ausleger behaupten, Tolkien habe die eigenen Erlebnisse während des 1. Weltkrieges in seinem Werk verarbeitet. Er selbst sagt, dass viele Geschichten schon als Jugendlicher in ihm lebendig waren. Wichtiger aber scheint mir zu sein, dass es ein Buch ist, das den Wert der Freundschaft beschreibt, des Zusammenhalts über Grenzen und Nationalitäten hinweg, der gemeinsamen Aufgabe, die zusammenschweißt und Kräfte freisetzt. Wenn Elben und Zwerge sich im Kampf gegen Orks vereinen können, dann vermag auch die ganze Welt gerettet zu werden. Der Einzelne erhält seine Bedeutung dadurch, dass er sich der gemeinsamen Aufgabe unterordnet. 

Das gefällt mir. Es könnte uns zur Ehre gereichen, jetzt freiwillig auf ein paar Freiheiten zu verzichten, um damit viele andere zu schützen. Das wäre ein Zeichen echter Größe. Und wer weiß, vielleicht werden dann irgendwann Geschichten erzählt, von den tapferen Menschen des Jahres 2020, die erkannten, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen konnten und für eine kleine Weile auf ihre Rechte verzichteten. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Zum Wohle aller. 

Gisela Pullwitt

Freitag, 22.05.2020

Bildandacht für Himmelfahrt

Erstellt vom Gottesdienstinstitut Nürnberg

Hier können Sie die Andacht im pdf Format ansehen.

Donnerstag, 21.05.2020

Farbenfrohe Garderobe

© Petra Heiberger

© Petra Heiberger

© Petra Heiberger

In diesen Tagen merke ich, dass die Kleidung etwas mit mir macht. Mehr als sonst. Da kommen mir die Sprüche in den Sinn: Kleider machen Leute. Dress for success. Gott hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet (Jesaja 61,10).

Dies nahm ich zum Anlass mit Petra Heiberger aus dem Laden K20 im Kirchengraben ins Gespräch zu kommen. Mode, Farben, die Natur und diese besondere Zeit sind unsere Themen.

ID: Welche Farbe würden Sie für diese Zeit aussuchen?

Petra Heiberger: Mein Motto ist in diesem Frühling: „Sonnige Tage brauchen eine farbenfrohe Garderobe“. Und wir hatten ja viele schöne Tage dieses Frühjahr. Um Ostern herum konnten wir uns in der Natur bewegen und sehen, wie alles leicht aufblüht. Dies gab mir Zuversicht – die Welt ist auf diese Art und Weise in Ordnung. Auch wenn in der Stadtmitte wenige Menschen unterwegs waren und teilweise trübe Stimmung zu spüren war, ließ die Natur sich nicht einschränken. Und wenn man dies sieht, blüht die Stimmung auf wie die Natur.

ID: Und welches sind die frohen Farben in der Garderobe in diesem besonderen, etwas anderen Frühling?

Petra Heiberger: Weiß kombiniert mit Pudertönen – Pink, Orange, Gelb, Apricot. Cleane, pure Farben sind in und tun den Menschen gut. Ich erlebe, dass sogar die Menschen, die bis jetzt immer nur schwarz angezogen haben, gerade Farbe brauchen. Rot und Orange sind gefragt. Kräftige Farben, die Freude ausstrahlen.

ID: Welche ist gerade Ihre Farbe?

Petra Heiberger: Orange

ID: Ist es Zufall oder Fügung, dass in diesem emotional nicht so leichten Frühling diese sonnigen Farben modern sind?

Petra Heiberger: In den letzten Jahren haben die Farben an Bedeutung gewonnen. Ein Farbkleks gibt es in jeder Saison. In dieser Saison gehören auch die kräftigen Puderfarben dazu, nicht zu vergessen sind die Prints in allen Variationen. 

ID: Wenn Sie Mut brauchen, was ziehen Sie an?

Petra Heiberger: Wenn ich Mut brauche, ziehe ich ein Kleid an. Gerade wäre es ein Kleid mit Muster, farbig, z. B. mit Blüten. Es braucht Mut, so ein Kleid anzuziehen. Und es macht etwas mit einem – ich muss das Selbstbewusstsein eine Stufe höherstellen.

ID: In den letzten Wochen waren viele Menschen zu Hause. Da reicht der Schlabberlook.

Petra Heiberger: Wenn es über eine längere Zeit geht, dann muss man aufpassen, dass es nicht auf die Laune und das Selbstbewusstsein schlägt. Irgendwann muss man wieder „den Schwan zeigen“. 

ID: Haben Sie in den vergangenen Wochen den Schlabberlook getragen? Haben Sie eine Jogginghose angehabt?

Petra Heiberger: Hier muss man etwas unterscheiden. Die Jogginghose ist mittlerweile ausgehfähig und kann sehr edel ausschauen. Dies ist nicht gleich zu setzten mit dem Schlabberlook. Die erste Woche nach der Ladenschließung bin ich nicht aus der Jogginghose rausgekommen. Aber dann musste ich an den Satz von Karl Lagerfeld denken: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Die Jogginghose wächst mit: Wenn man auf die Waage steht, hat die Jogginghose 2kg mehr.

ID: Und was haben Sie dann gemacht?

Petra Heiberger: Ich bin mit dem Hund viel spazieren gegangen. Wir haben ja das Glück in Ebingen, dass wir gleich im Wald sind. Ich habe viele neue Wege entdeckt. Und dann habe ich im Laden Bilder von den neuen Kollektionen mit den sonnigen Farben gemacht und meine Kundinnen auf verschiedenen Wegen damit angesprochen. 

ID: Lasst uns Kleider in kräftigen Pudertönen (dies habe ich aus diesem Gespräch gelernt) anziehen und mit Selbstbewusstsein und mit Zuversicht das Unsere tun!

Danke für das Gespräch.

Ihre Pfarrerin Ilze Druviņa 

Mittwoch, 20.05.2020

Thank God for the nerds (Dankt Gott für die Fachidioten)

Vielfalt der bunten Hände

© original_clipdealer.de

Dieser Rap erobert gerade das Internet: https://www.youtube.com/watch?v=5QCkN_bSSaw

Jon Lajoie bedankt sich in seinem Lied bei all denen, die er sonst als bemitleidenswerte Sonderlinge belächelt hat: bei den Doktoren… Chemikern… Biologen… Epidemiologen, die uns jetzt mit ihrem speziellen Fachwissen das Leben retten. Er besingt, wie verrückt das ist: da beschäftigt sich einer sein Leben lang mit dem Verhalten von Viren, verbringt sein Dasein im Labor über das Mikroskop gebeugt, während das „echte“ Leben an ihm vorbeizieht – und jetzt brauchen wir sie, um zu überleben. 

Thank God for the nerds.Vielleicht auch ein Beispiel dafür, dass jeder wichtig ist. Egal, was er macht, egal, was er kann. Irgendwann ist genau er gefragt, damit das Ganze weiter bestehen kann. Das ist ja eine von Vielen geteilte Ansicht, dass jeder von uns seine ganz spezielle Lebensaufgabe hat, die auch nur er erfüllen kann. „Selbst der Kleinste vermag den Lauf des Schicksals zu verändern“ sagt die Elbenkönigin Galadriel zu Frodo; und dann schenkt sie ihm in einer Phiole das Licht Earendils mit den Worten: "Es wird noch heller scheinen, wenn Nacht um dich ist. Möge es dir ein Licht sein an dunklen Orten, wenn alle anderen Lichter ausgehen." 

Und Jesus geht sogar noch weiter:„Ihr seid das Licht der Welt…Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5, 14ff)Ja, jetzt ist wirklich nicht die Zeit, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Im Moment ist jeder gefragt, mit seiner kleinen Kraft und all seiner Kreativität und Spontaneität Dinge zu tun, die unserer eingeschränkten Gemeinschaft zu Gute kommen: vom Mundschutz nähen über Telefonate verschenken, bis hin zu Glücksbotschaften-an-die-Tür-hängen: unserer Phantasie sind gerade nur wenige Grenzen gesetzt.

Probieren Sie es aus und zaubern Sie heute irgendjemandem ein Lächeln ins Gesicht…

Thank God for the nerds!

Gisela Pullwitt

Dienstag, 19.05.2020

Gedicht zu den Emmausjüngern

© W. Böger

Frieder Zimmermann

Als der Herr einst auferstanden, 

wies er Seiner Jünger Schar 

damals und in allen landen 

Weg und Auftrag, streng und klar. 

 

War'n sie doch nach seinem Sterben 

eine Herde ohne Hirt', 

hundertfältigem Verderben 

ausgeliefert und verirrt. 

 

„0 ihr Toren, trägen Herzens!" 

schilt sie nun des Herren Wort.

Aus der Pein verzagten Schmerzens 

führt er sie zum Glauben fort. 

 

Von den Augen Schuppen fallen. 

Staunend fährt zur Stirn die Hand,

als nach dem Erlebten allem 

Einer hat den Herrn erkannt. 

 

Sein Genosse, gleichwohl zagend 

möchte doch vertrauend mit. 

Vorwärts tastend probt er fragend 

einen ersten großen Schritt. 

 

Jesu Finger weist die Schritte, 

duldet die Verzagtheit nicht. 

leuchtend steht in ihrer Mitte

nun der neuen Sonne Licht. 

 

Steht auch über unserm Schreiten, 

leuchtet und mit ew'gem Schein, 

macht uns Mut, so wie vorzeiten 

mit IHM unterwegs zu sein. 

 

Will ein Schritt uns schwer erscheinen, 

ungewohnt in fremdem Land, 

so ermahnt er doch die Seinen

mit der ausgestreckten Hand.

 

Geht der Weg, den er gewiesen 

durch das Dunkel mancher Nacht.

Endlich wird man sagen müssen: 

„ER HAT ALLES WOHL GEMACHT!" 

 

Werner Auer (1925 - 2014)

Gedicht zum Bild „Emmausjünger“ von Robert Eberwein

Montag, 18.05.2020

Zitat von Martin Luther

© W. Böger

Darf unser Herrgott gute, große Hechte, auch guten Rheinwein schaffen, so darf ich auch wohl essen und trinken. - Der Wein ist unter allen Früchten auf Erden die alleredelste in der ganzen Welt, der das Herz des Menschen erquickt und erfreut.

Samstag, 16.05.2020

Gedenkkreuz

© Okapia

Auf dem Fahrrad siehst Du an den Straßenrändern mehr als vom schnellen Auto aus. Da komme ich immer mal an einem Kreuz vorbei, einem Gedenkkreuz für einen Unfalltoten. Das gibt mir einen Stich ins Herz.  

Wissen Sie, was ich da mache? Ich schlage ein Kreuz über Stirn und Brust, wie es bei Katholiken üblich ist. Denn die Sache beschäftigt mich beim Weiterfahren eine ganze Weile. Ich denke an den Verunglückten – wahrscheinlich ein junger Mensch, der schuldig oder unschuldig aus dem Leben gerissen wurde. Ich denke an seine Familie, an ihren Schmerz, auch daran, was sie mit dem Erinnerungskreuz ausdrücken wollen: Die Bitte um ein Gebet für den Toten, eine Mahnung zur Vorsicht?

Dann denke ich auch an mich selber: Lieber Gott, behüte mich auf dieser Fahrt, lass mich gesund wieder nach Hause kommen, meine Frau wartet auf mich. Dann denke ich, dass ich schon über ein ganzes Leben im Auto und auf dem Rad wohlbehalten geblieben bin. Und ich danke dafür. 

Sehen Sie, das Kreuzeszeichen, das ich für mich schlage, hilft mir, solche Dinge am Wegesrand, klein oder groß, mit Gott zu verbinden, Tod und Leben in seine Hand zu legen. Da bin ich gerne, so evangelisch ich bin, auch ein klein wenig katholisch.

Peter Berner 

Freitag, 15.05.2020

Hier sind wir!

© Maier-Zenne

Hier sind wir - Dies ist der Titel des Bilderbuches von Oliver Jeffers.

Das Buch mit seinen Bildern und Texten begleitet uns, die Kinder und Erzieherinnen der Kita Regenbogen, durch das jetzige Kindergartenjahr. Die Kinder sind begeistert: da gibt es so viel zu staunen und zu entdecken, was unsere Erde wertvoll und spannend macht.

Wie ist das mit den Planeten und dem Universum?

Wo hat da unsere Erde ihren Platz?

Was für große Berge und Vulkane gibt es in den verschiedenen Ländern dieser Erde?

Wie riesig und tief sind die Meere und wieviel verschiedene Pflanzen und Tiere gibt es dort in einer unendlichen Farbenvielfalt?

Was für schöne Landschaften gibt es mit Flüssen, Seen, Wiesen und Wäldern!

Es gibt Menschen in allen Formen, Größen und Farben, heißt es in dem Buch und weiter steht da: Wir sehen zwar alle unterschiedlich aus, verhalten uns anders und klingen verschieden… aber lass dich nicht täuschen: wir sind alle Menschen.

Die Kinder sind sensibler geworden bei unseren Naturtagen. Sie achten auf Tiere und sammeln weggeworfenen Müll anderer Leute ein und nehmen ihn mit in die Kita. Wir wünschen Ihnen und allen Kindern dieser Welt, dass wir gemeinsam die Vielfalt und Farbenpracht unserer Erde bewahren. Dass wir den Mitmenschen wahrnehmen und Freundschaften bewahren. Dass wir uns in dieser Zeit an kleinen Dingen wie dem Schmetterling, den Sonnenstrahlen und dem Gesang der Vögel freuen. Es gibt ein schönes Lied, das gut zu diesem Buch passt: Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Lassen Sie uns kleine Schritte wagen, dass unsere Welt auch für unsere Kinder so bunt und spannend erhalten bleibt. Und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand,und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand.

Kita Regenbogen Christa Maier – Zenne

Donnerstag, 14.05.2020

Orte, die wir in uns tragen

© Druvina

Urlaub – dieses Jahr für viele Menschen ein sensibles Thema.

Es ist noch nicht klar, ob man den schon lange ersehnten und inzwischen gut vorbereiteten Urlaub antreten kann. Ob man die Verwandtschaft und die Freunde besuchen kann. Ob man zu dem Lieblingsort zurückkehren kann. Ob man Abenteuer unterwegs erleben kann.

Bei einer meditativen Übung vor vielen Jahren wurde ich mit den anderen Gruppenteilnehmerinnen gebeten, die Augen zu schließen und in Gedanken zu einem für uns wohltuenden Ort zu wandern und allen guten und wohltuenden Gefühlen, die mit diesem Ort verbunden sind, nachzuspüren. Die Übung tat mir gut und ich habe sie beibehalten.

Ich bin überzeugt, jede und jeder von uns hat so einen Ort, oder auch mehrere, die uns auch in Gedanken guttun. Diese Orte tragen wir in uns. Manche sind weit weg. Wie der Ostseestrand in Saulkrasti, Lettland (siehe: Bild), wo ich immer wieder gerne bin, am Wasserrand stehe, meinen Blick über die Weite schweifen lasse, kleine vom Wasser ausgespülte Steinchen sammle, meine Gedanken zur Ruhe kommen lasse und einfach nur bin.

Ein Ort, den ich in mir trage und wo ich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gewesen bin, ist die Kommunität von Taizé in Frankreich. Die Gemeinschaft, die Freundschaften, die dort geschlossen wurden und immer noch da sind, die Gesänge (z. B. Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht), der Duft von Buchs, mit dem der Gottesdienstraum dekoriert wird. Das alles ist in mir.

Andere Orte sind näher. Als ich das erste Mal unweit von der Kälberwiese die schneebedeckten Alpen gesehen habe, war ich von der Majestät der Aussicht tief berührt. Oder: Wenn ich die Erdbeeren auf dem Erdbeerfeld in Grosselfingen pflücke und dabei auf die Burg Hohenzollern schaue, verspüre ich Leichtigkeit und Freude über den Anblick.

Man muss nicht wegfahren, um die Weite zu erleben. In diesen Tagen atme ich den Duft des Flieders ein und freue mich an seinen Farben. Und dies nehme ich mit für die Zeit, in der der Flieder nur ein grüner Busch ist.
Vielleicht möchten Sie von Ihren Orten, die Sie in sich tragen, erzählen und dies mit anderen teilen.

Ihre Pfarrerin Ilze Druviņa 

Mittwoch, 13.05.2020

Was siehst du?

© W. Böger

© W. Böger

Haben Sie in den letzten Wochen Ihren Keller entrümpelt, Schubladen ausgemistet oder Fotos eingeklebt?

Ich habe mich für die Neuordnung des Bücherregals entschieden.

Mein Gedanke war:

  • wahrscheinlich kann ich etwas aussortieren und damit Platz für Neues schaffen
  • ich entdecke ein Buch, das ich vielleicht nochmal lesen will
  • oder mir fällt etwas in die Finger, mit dem ich jemand eine Freude machen kann.

Und tatsächlich ist mir ein Büchlein vom Verlag Andere Zeiten aufgefallen.

Hier eine Kostprobe daraus:

Was siehst du?

Der heilige Jakob war mit einem Schüler unterwegs in den Bergen. Als es dämmerte, errichteten sie ihr Zelt und fielen müde in den Schlaf. Vor dem Morgengrauen wachte Jakob auf und weckte seinen Schüler. „Öffne deine Augen“, sagte er, und schau hinauf zum Himmel. Was siehst du?“ „Ich sehe Sterne, Vater“, antwortete der schlaftrunken. „Unendlich viele Sterne.“ „Und was sagt dir das“, fragte Jakob. Der Schüler dachte einen Augenblick nach. „Dass Gott, der Herr, das große Weltall mit all seinen Sternen geschaffen hat. Ich schaue hinauf in den Himmel und fühle mich dankbar und demütig angesichts dieser unendlichen Weiten. Wie klein ist doch der Mensch und wie wunderbar sind die Werke Gottes.“ „Ach Junge“, stöhnte Jakob. „Mir sagt es, dass jemand unser Zelt gestohlen hat!“

(aus Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten, 2005, Hamburg

Andere Zeiten e.V., www.anderezeiten.de)

Das Buch kann beim Verlag Andere Zeiten bestellt werden.

Ihre Karin Böger

Dienstag, 12.05.2020

Gruß aus Heidelberg

© Björn Kindler

Meine Mutter lebt in Albstadt-Ebingen und auch meine Großeltern lebten dort. Ich schaue alle paar Tage auf die Webseite der Ev. Kirchengemeinde Ebingen und drucke hier in Heidelberg, wo ich wohne, die Ebinger Mutmach-Gedanken aus, die dann per Post wieder zurück nach Ebingen gehen. Meine Mutter kann sie so zuhause in Ebingen lesen und sie liest diese Mutmach-Gedanken mit sehr viel Freude.Deshalb dachte ich mir, dass ich Ihnen in Ebingen einen Gruß aus meiner Heimatgemeinde, der Ev. Lukasgemeinde in Heidelberg, schicken möchte. Und das tue ich mit diesem Foto. Wir hatten nämlich von Ostersonntag bis Ostermontag vor unserer ganz neu erbauten Kirche (2019 eingeweiht) diese Wäscheleine aufgespannt und unsere Pfarrerin brachte mit Wäscheklammern Osterkarten an, die dann von den Spaziergängern abgeknüpft und mit nach Hause genommen werden durften. Ohne COVID 19 wäre eine solche Idee vermutlich gar nicht geboren worden. Aber so konnte jeder, dessen Osterspaziergang an der Kirche vorbei führte, sich ohne Ansteckungsgefahr einen Ostergruß seiner Gemeinde mitnehmen und sich mit der Gemeinde verbunden fühlen. Das Wetter machte dann einen kleinen Strich durch die Rechnung, als es am Ostermontag plötzlich anfing zu regnen. Die restlichen Karten mussten leider abgenommen werden. COVID 19 lässt viele neue Ideen entstehen, wie man sich auch auf andere Weise denn in einem Präsenzgottesdienst miteinander verbunden fühlen kann. Mit dieser frühlingshaften Idee aus der Ev. Lukasgemeinde Heidelberg grüße ich Sie herzlich in Ebingen.

Christine Auer

Montag, 11.05.2020

Muttertag

© Herbert Friederich

Es war im Mai 2018 auf der Gemeinde-Studienreise unserer Kirchengemeinde quer durch die Bretagne. Gerade hatten wir am Sonntagmorgen das Hotel in Tréguier verlassen, um die berühmten Kalvarienberge in Saint Thégonnes und Giuimilauanzusteuern.

In der Morgenandacht, bei der auf dieser Reise das Thema „Wege“ behandelt wurde, stand das bekannte Wort aus dem Jesaja-Buch im Mittelpunkt:„Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott.“ (Jesaja 40,3)

Als der Irische Reisesegen „Möge die Straße dir entgegeneilen, möge der Wind immer in deinem Rücken sein. Möge die Sonne warm auf dein Gesicht scheinen und der Regen sanft auf deine Felder fallen. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich im Frieden seiner Hand“, da griff eine Teilnehmerin in ihre Reisetasche und brachte eine Anzahl goldgelb gebackener Herzen ans Tageslicht. In der Mitte prangte ein rotes Zuckerstück, geradezu wie ein Rubin in einem wertvollen Schmuckstück. Das Backwerk war fein mit Cellophan umhüllt und mit einer netten roten Schleife geschlossen. Es war Muttertag. Jede Reiseteilnehmerin wurde mit einem dieser Herzen beglückt. Eine wirklich schöne Überraschung an jenem Sonntagmorgen, dem Muttertag 2018.

Herbert Friederich

Rückmeldungen dürfen Sie gerne an herbert.friederich@t-online.de senden.

Samstag, 09.05.2020

Wie lieblich ist der Maien

© Druvina

© Ott-Schäfer

Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

Martin Behm

EG 501

Freitag, 08.05.2020

Quelle lebendigen Wassers

© Marlies Haist

„Wer zur Quelle kommen will, muss dem Strom entgegengehen“. Diese Lebensweisheit muss immer wieder selbst erfahren oder besser ergangen werden. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Wo ist Ihre Quelle? Wo tanken Sie auf, erfrischen Ihre Seele, wenn Sie das Gefühl haben, auf dem Trockenen zu sitzen, wenn Sie nicht immer nur irgendwo mitschwimmen wollen? Sind es bestimmte Orte, Menschen, Bücher? Ist es der christliche Glaube – an Jesus, der sagt: „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Johannes 87,38)? 


Die Schmiechaquelle ist nicht versiegt. Wie ein Auge spiegelt sie den Himmel wider. Selbst nach vier Regentagen war der Boden am Sonntag nicht allzu feucht. Als ob es gerade nicht genug Sorgen gäbe, macht die lange Trockenheit im April Natur und Landwirtfamilien zu schaffen. Es wird viel gebetet in diesen Tagen: für die durch die Corona-Krise besonders Belasteten – und auch um den dringend nötigen Regen. Wie dankbar werden Regentage dieses Frühjahr wahrgenommen! 


Die Quellen und Brunnen sind in der Bibel Orte, an denen oft ganz im Verborgenen Entscheidendes passiert. Jesus öffnet der einsamen Samariterin am Jakobsbrunnen die Augen und den Weg zum neuen Leben: „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“. Jakobs Vater Isaak fand Quellen in der Wüste. Und den Brunnen, wo es keinen Streit gab, nannte er „weiter Raum“. Da kann man miteinander in Frieden leben.


Das hebräische Wort „Quelle“ bedeutet auch „Auge“ und umgekehrt. In einer Umgebung, wo das Wasser äußerst knapp ist, glänzt es einem entgegen wie Augen aus einem Gesicht. Wasser ist Leben und in unseren Augen spiegelt sich unsere Lebendigkeit. Kennen Sie das auch: praktisch neben der Quelle sitzen und nicht sehen, was direkt vor Augen liegt?So war Hagar mit ihrem Kind Ismael am Verdursten, mitten in der Wüste. Hagar war die Magd und zweite Frau Abrahams. Der hatte sie im Auftrag Sarahs vertrieben. Gott hört ihr Weinen und ein Engel spricht ihr die Verheißung zu, dass Gott Ismael zu einem großen Volk machen wird – wie Isaak, Abrahams und Sarahs gemeinsamen Sohn.„Und Gott tat ihr die Augen auf, dass sie einen Wasserquelle sah…“ (1. Mose 21,19)


Marlies Haist

Donnerstag, 07.05.2020

Psalm 23

© Ingrid Kühnast

aufgenommen am 1. Mai oberhalb vom Ebinger Friedhof

Neue Genfer Übersetzung

Der Herr ist mein Hirte, darum leide ich keinen Mangel. 

Er bringt mich auf Weideplätze mit saftigem Gras

und führt mich zu Wasserstellen, an denen ich ausruhen kann.

Er stärkt und erfrischt meine Seele.

Er führt mich auf rechten Wegen und verbürgt sich dafür mit seinem Namen.

Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben,

fürchte ich mich vor keinem Unglück,

denn du, ´Herr`, bist bei mir!

Dein Stock und dein Hirtenstab geben mir Trost.

Du ´lädst mich ein und` deckst mir den Tisch selbst vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl, ´um mich zu ehren`,

und füllst meinen Becher bis zum Überfließen.

Nur Güte und Gnade werden mich umgeben alle Tage meines Lebens,

und ich werde wohnen im Haus des Herrn für alle Zeit.

Ilze Druvina 

Mittwoch, 06.05.2020

Die Acht und die Null

© Grafik: D. Rach

Denken Sie manchmal über die Zahlen nach? Oder fallen Ihnen besondere Zahlen auf? Man schaut auf die Uhr und sie zeigt: 17.17 Uhr. Oder der Kilometerstand beim Auto: 10901.

Seit ein paar Monaten fallen mir die Zahlen auf.

Und neulich die zwei rundlichen Zahlen – die Null und die Acht.

Auf den ersten Blick denkt man vielleicht – eine Null ist doch nichts. Wertlos. Aber: Die Null ist eine der genialsten Erfindungen der Menschheit. Wie würden wir z. B. 1008 aufzeichnen? Und wenn die Bank auf mein Konto statt 1008 nur 18 Euro überweisen würde, dann wären meine Gefühle nicht die positivsten und gelassensten…

Und die Nullen machen die Einser groß!

Na ja, und, wenn man mal dringend muss, dann ist man sehr dankbar und erleichtert, wenn man auf einer Tür 00 sieht.

Und die Acht. Eine schöne symmetrische Zahl. Eine Kubikzahl und sie kommt in der Fibonacci-Folge vor (ehrlich – für diese Zeilen habe ich gelernt, was dies ist). Und, wenn die Acht liegt, ist sie ein Zeichen der Unendlichkeit. 

Die Zahlen sind nicht nur Zahlen. 

Da steckt mehr dahinter, wie man auf dem ersten Blick wahrnimmt.

Nun verrate ich Ihnen, wo mir die Acht und die Null begegnet sind. 

In einem Witz:

Treffen sich eine Acht und eine Null.

Da fragt die Null:

„Sag mal, wieso hast du den Gürtel so eng geschnallt?“ 

Ilze Druviņa in Zusammenarbeit mit Kathrin Schick

Dienstag, 05.05.2020

Achte gut auf diesen Tag

© Foto: Druvina

Achte gut auf diesen Tag,

denn er ist das Leben –

das Leben allen Lebens.

In seinem kurzen Ablauf liegt alle seine

Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,

die Wonne des Wachsens,

die Größe der Tat,

die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum

und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch, recht gelebt,

macht jedes Gestern

zu einem Traum voller Glück

und jedes Morgen

zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag.

 

Montag, 04.05.2020

 

 

Heimat

Traubenkirsche

© Foto: Druvina

Traubenkirsche an der Emmauskirche

© Foto: Druvina

Seit meinem ersten Frühling in Ebingen erfreut mich jedes Jahr aufs Neue die Blüte des prächtigen Traubenkirschen-Baumes, wenn ich aus meiner Haustür herausgehe.

Für mich ist der Baum ein sichtbares Zeichen der Heimat für meine lettische Seele. In Lettland spielt dieser Baum im Frühling eine wichtige Rolle.Es gibt einige Lieder und Gedichte, die erzählen, wie Menschen unter den blühenden Traubenkirschen-Bäumen (ievas – auf Lettisch wie ein Frauenname, Eva) spazieren gehen. Wie der süßlich herbe Duft die Nase kitzelt. Aber man soll die schönen Zweige nicht in der Wohnung in die Vase stellen – man bekommt Kopfweh davon.Und wenn die ievas blühen, wird es kalt. Diese Bauernweisheit gilt in Lettland wie in Deutschland.Auch dieses Jahr.Ein Baum als Zeichen der Heimat. Ich vermute, dass viele von uns etwas haben, das an die Heimat oder an einen besonderen Ort erinnert. Und wenn wir es sehen, riechen, hören, schmecken oder spüren, erfreut und berührt es uns tief. Und es schenkt uns einen Augenblick der tiefen Geborgenheit.Für mich sind es die blühenden und duftendes ievas, wie auch die Emmauskirche mit ihrem Glockenklang.

Ilze Druviņa 

Rückmeldungen senden Sie gerne an: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de

Samstag, 02.05.2020

ZITAT Ja, der Regen ist ein Segen, und er kommt zur rechten Zeit. Wenn es bei euch regnet, geht ans Fenster, atmet die regengetränkte Luft ein. Und seid einfach nur dankbar für den Segen, der mit dem Regen verbunden ist. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

© GEP/Lotz

Freitag, 01.05.2020

Gestärkt und verändert aus dieser Krise?

© Grafik: Pfeffer

„Das Leben wird nach der Corona-Krise nicht mehr das alte sein.“ So lesen ich es in verschiedenen Artikeln. Die Erfahrungen, die wir alle in der Corona-Krise machen, verändern uns und unsere Gesellschaft. Das ist der Tenor dieser Artikel, die die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass wir verändert und verwandelt aus der Krise hervorgehen und dass unsere Gesellschaft eine menschlichere sein wird.

Ich freue mich über diese Hoffnung und würde mich sehr freuen, wenn die Vorhersagen eintreffen würden. Zugleich aber bin ich ein wenig skeptisch und frage mich: Wird es so kommen?

Ein Blick auf die Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zeigt, dass die Menschen nach dem großen Krieg vor allem eines wollten: die Schrecken möglichst schnell vergessen und wieder Spaß am Leben haben. Das ist menschlich verständlich. Und gerade weil es verständlich ist, könnte es dieses Mal genauso sein. Veränderungen sind, so fürchte ich, keine Selbstverständlichkeit und kein Selbstläufer. Wenn die persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen nachhaltig sein sollen, müssen wir sie bewusst vollziehen. Wir sollten die Macht der Gewohnheit, die Macht des „alten Adam“ (wie Martin Luther das gern formuliert) und die Macht des herrschenden Systems nicht unterschätzen. Wenn wir wirklich Veränderungen wollen, müssen wir uns bewusst für sie entscheiden und beschließen.

Wenn ich in Zukunft mehr Zeit mit den Menschen, die ich liebe, verbringen will, muss ich mir Formen überlegen, die das ermöglichen.

Wenn wir in Zukunft die Arbeit der Pflegekräfte in den Krankenhäusern, Pflegeheimen und im ambulanten Pflege-dienst mehr wertschätzen wollen, müssen wir bereit sein, deren Gehälter zu erhöhen und dafür höhere Beiträge zu zahlen.

Wenn unser Wirtschaftssystem in Zukunft wieder stärker auf den Menschen ausgerichtet sein soll, müssen wir zur Sozialen Marktwirtschaft zurückkehren und diese unter den veränderten Bedingungen neu denken und gestalten.

Wenn wir das nicht tun, werden wir früher oder später wieder in das alte Fahrwasser geraten.

Natürlich werden wir uns noch lange an die Tage der Corona-Krise erinnern: die einen mit gemischten Gefühlen, die anderen mit großem Entsetzen und großer Traurigkeit. Und sie wird uns auch noch lange beschäftigen und unseren Alltag prägen.

Wenn wir aber gestärkt und verändert aus dieser Krise hervorgehen wollen, brauchen wir, um mit den Worten der Bibel zu sprechen, den Mut zur Umkehr: den Mut, unser Leben neu auszurichten und dort, wo wir es verändern wollen, neu zu gestalten.

Dass das möglich ist, zeigen uns die Ostergeschichten. Die Freundinnen und Freunde Jesu, die sich nach dem Tod Jesu in ihren Häusern verschanzt haben, kommen in Bewegung und gehen aus sich heraus. Die einen reisen durch die Lande und predigen das Evangelium, die anderen bleiben in ihren Dörfern und Städten und bauen vor Ort Gemeinde und Gemeinschaft.

Mit dem Mut zur Umkehr kommt etwas Neues in die Welt und aus der geschichtlichen Hoffnung auf Veränderung wird die österliche Hoffnung auf die Neugestaltung unseres Lebens, unserer Gesellschaft und, ja so weit geht diese österliche Hoffnung, auch unserer Welt!

Walter Schwaiger

Rückmeldungen senden Sie gerne an: walter.schwaigerdontospamme@gowaway.elkw.de

Donnerstag, 30.04.2020

Aufatmen im Augen-Blick

Foto: U. Retter

Zum ersten Mal bin ich ihm 2001 begegnet, bei einem Besuch im Magdeburger Dom. Dort steht dieser Verkündigungsengel – fast ein bisschen versteckt – an einer der Säulen am Chorumgang. Schon bei unserer ersten Begegnung hat er mich berührt. Er ist so platziert, dass er nicht Maria im Blick hat, der seine Botschaft gilt. Er schaut den Menschen an, der vor ihm steht. Er zieht den Betrachter unwillkürlich hinein in eine Begegnung, in die Zwiesprache. Wer diesem Engel gegenübersteht, ist angesehen. Angesehen von Gabriel, dem Verkündigungsengel. „Mann Gottes“ oder „Gott hat sich stark gezeigt“, so wird sein Name gedeutet. Wer sich seinem Blick aussetzt, der kann auch etwas von dieser Stärke, dieser Kraft spüren, der kann etwas ahnen von Gottes Nähe. Es tut mir gut, immer wieder diesen Blick zu suchen, mit diesem Engel ins Gespräch einzutreten. Deshalb begleitet mich eine Karte mit seinem Bild auch im Alltag. Er scheint mir zuzuhören. Ich spüre, dass ich nicht allein bin, mit dem, was mich gerade beschäftigt. Manchmal wächst mir unter seinem Blick ein neuer Gedanke zu, manchmal eröffnet er mir eine neue Perspektive. Unter diesem Blick kann ich aufatmen.

Der Engel

blickt mich an,

spricht mich an:

„Fürchte dich nicht!“

Freundlich,

kraftvoll

spricht er mir Mut zu.

Achtsam,

liebevoll

hat er mich im Blick,

lässt mich nicht

aus den Augen,

teilt mit mir

seinen Frieden.

 

Ursula Retter

Mittwoch, 29.04.2020

Vertrauen und Barmherzigkeit

Foto: S.M.Schwarz

Inmitten der momentanen Corona-Krise, die für uns alle sicher ganz unterschiedliche Gesichter hat, leben wir in einer außergewöhnlichen Zeit mit ungewöhnlichen Erfahrungen. Für mich selbst ist der Spagat schwer auszuhalten, dass die weltweit verschiedenen Szenarien für die einen eine massive Entschleunigung bedeutet, die mit ihren Einschränkungen Freiräume und Zeit zum Innehalten ermöglicht, und dabei gleichzeitig für andere ein Übermaß an Energie, Kraft, Ausdauer und Hingabe in der medizinischen Versorgung, der Pflege, in Krankheit, Traurigkeit und Tod einfordert.

Seit wir uns in den vergangenen Wochen alle zunehmend in dieser herausfordernden Situation befinden, scheint von Woche zu Woche alles etwas befremdlicher zu werden. Wir feiern schon lange keine gemeinsamen Gottesdienste mehr und durch das Erliegen des öffentlichen Lebens mussten selbstverständlich auch wir alle uns den wichtigen und sehr sinnvollen Maßnahmen beugen und schweren Herzens das Meiste komplett einbüßen. Viele existentiell wichtige Bereiche unserer Gesellschaft sind dabei zwischenzeitlich massiv bedroht. Gerade der Weg durch die Passions- und Fastenzeit, durch die Heilige Woche über den Karfreitag zu Ostern war zuweilen eine herausfordernde Zeit für Menschen unserer Kirchen und Religionsgemeinschaften. Das habe ich nicht zuletzt von Vielen erfahren, die ich in dieser Zeit bei Stille und Gebet - mit angemessenem Abstand - in unserer Martinskirche angetroffen habe, wenn ich an der Orgel war. An vielen Stellen müssen wir bis jetzt Machtlosigkeit ertragen und aushalten, können aber auch dankbar sein und hoffen, dass diese Zeit in all ihren Facetten letztlich ein gutes Ende nehmen kann.

In der österlichen Freudenzeit lässt uns darauf der Sonntag M I S E R I C O R D I A S • D O M I N I besonders hoffen. Der Hirtensonntag erinnert an die Worte Jesu aus dem Evangelium nach Johannes: »Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.« Gerade in der aktuellen Krisensituation ist unsere Sehnsucht nach Orientierung groß. Sehnsucht nach dem Hirten, dessen Stimme Ruhe, Geborgenheit, Zuverlässigkeit und Perspektive ausstrahlt in einer Zeit, in der wir zuweilen rasend schnell unterwegs waren und nun plötzlich alles ins Wanken geraten ist. Als Mensch und wahrer Gott, Bischof unserer Seelen, kennt Christus in seiner Barmherzigkeit das Gefühl von Angst und Verlorenheit und weiß zugleich um seine Verantwortung für ihm Anvertraute(s). Sein barmherziges Ohr ist offen für unsere Anliegen. Durch ihn zeigen sich Wege aus dem Tunnel in die Weite, aus der Finsternis ans Licht. Für viele Regionen in der Welt ist diese Pandemie grausam und schrecklich. Vielleicht gewinnen wir am Ende Erkenntnisse, die uns anders, bewusster, wertschätzender weiterleben lassen?

Durch wunderbare Musik, die wir von Zeit zu Zeit auf dem YouTube-Kanal der Musik Martinskirche Ebingen mit Ihnen teilen, schlägt das Herz für alle: Kranke, Gesunde, Freunde, Familie, medizinisches Personal und alle Menschen, die sich in dieser schweren Zeit für andere einsetzen! Jesus Christus dient durch sein Beispiel allen Mitmenschen. Durch sein Leben und sein Handeln weist er ihnen auf eindrückliche und vielfältige Weise, in Liebe und Hingabe, Wege zu Gott. Die aktuelle Krisenzeit ist eine gesundheitliche und spirituelle Herausforderung. Dabei geht es um Schutz der andern als Akt der Nächstenliebe und unsere eigene Obhut. Bei alldem bleibt tagtäglich die Frage: Wie (er-)fülle ich die mir anvertraute Zeit und Aufgaben? Wie gehe ich mit brisanten Herausforderungen, mit den anderen und mit mir selbst um? Wie ertrage oder gestalte ich Stille? Haben wir bereits verstanden, dass sich die Welt mittlerweile an vielen Stellen verändert hat und auch weiter verändern wird? Womöglich birgt dieser Wandel Chancen, wenn wir sie zu nutzen verstehen. Gerade Musik in der Kirche hat dabei eine wichtige seelsorgerliche Aufgabe. Sie möchte zuvorderst trösten, aber auch aufrütteln, mutig hinterfragen, im geistlichen Sinne Finger in Wunden legen, den Blick auf Wesentliches richten und dabei den Kern des Evangeliums abbilden.

Wesentliches existiert auch in dieser Zeit jetzt. Sicher wird es eine Frage der Perspektive und der unterschiedlichen Generationen sein. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen haben - wie bisher auch - eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Aber im Kern eint uns wohl, dass es wichtig ist gesund zu sein und in Hoffnung mit Perspektive zu leben. Es ist doch wesentlich, dass auch die Menschen in unseren Familien-, Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreisen gesund sind und möglichst gut leben können. Selbstverständlich kommen auch mannigfaltige soziale Fragen und vieles mehr dazu. Führen wir gerade, auch wenn wir Vieles nicht machen können wie sonst, nicht dennoch ein sehr dichtes und auf eigenartige Weise intensives Leben?

Gerade jetzt ist es mir ein besonderes Anliegen durch (meine) Musik nicht nur ungehemmte Auferstehungsfreude zum Ausdruck zu bringen, sondern auch das Spannungsverhältnis der Botschaft im Evangelium in der Krise darzustellen. Seelsorge hat viele unterschiedliche Gesichter und sucht sich ihre ganz eigenen Wege auf verschiedenste Weise. Dank vieler beeindruckender und tiefschürfender Rückmeldungen von Ihnen erlebe ich für mich persönlich einmal mehr, wie es bei Georg Friedrich Händel heißt: Meine Seele sieht im Hören.

Bleiben Sie gesund & geleitet von Gottes Geist!

Ihr Kantor Steffen Mark Schwarz

Melden Sie sich ggf. gerne via E-Mail unter: kantoratdontospamme@gowaway.ev-kirche-ebingen.de

Dienstag, 28.04.2020

Fragen

Foto: W. Böger

Angenommen,

Sie könnten die Zeit

bis zum Ende der Krise

einfach überspringen.

Würden Sie es tun wollen?

Wenn ja, warum?

Wenn nein, was folgt daraus

für Sie

für die nächsten Monate?

 

Als ich diese Fragen entdeckte, war mein erster Gedanke: Ja, das ist es! Einfach die Tage und Monate überspringen und diese beunruhigende Zeit hinter mir lassen.

Inzwischen haben sich meine Überlegungen stark verändert und sind in die andere Richtung gewandert.

Wie konnte ich nur so denken?

Was wäre mir alles entgangen?

  • die vielen Telefonate, E-Mails, whatsapp-Nachrichten, Briefe und Karten von all den Menschen, die mir lieb und wert sind
  • mir zugesprochene Umarmungen aus der Ferne
  • Dinge, die unverhofft an unserer Haustür lagen (hier vor allem die prall gefüllte Büchertüte einer Freundin)
  • das Gelächter unseres Enkels (6 Monate) auf Video
  • die täglichen Telefonate mit unserer Enkelin (3 ½ Jahre), die mir erzählt, wie der Himmel bei ihr heute aussieht und sie mich raten lässt, welche Dinge in ihrem Arztkoffer sind
  • und nicht zu vergessen:
  • die frischen verschiedenen Grüntöne der Bäume
  • der Kirschbaum, der zu einem riesigen Schneeball explodiert ist
  • der morgendliche Gesang der Vögel

Ich wünsche uns allen Glücksmomente für die nächste Zeit:

ein Lächeln und Augenzwinkern

die wärmenden Strahlen der Sonne

vielleicht einen Maikäfer auf der Hand

die Schönheit eines Regenbogens

den jetzigen Moment!

 

Karin Böger

 

Rückmeldungen senden Sie gerne an: karin.boegerdontospamme@gowaway.elkw.de

Montag, 27.04.2020

Eine besondere Osternacht

Foto: Rach

Ostern:

Freude - Christ ist erstanden. Halleluja!

Freude - Feiern und Zusammensein mit der Familie

Trauer - Corona

Trauer - keine Feier mit der Familie, allein zu Hause

 

Wie kann ich dieses Jahr meinen Lieben eine Freude machen? Dieser Gedanke beschäftigte mich tagelang. Dann hatte ich die Idee, ich spiele „Osterhase“.

Ein paar Tage vor Ostern habe ich Osterlämmer und Osterhasen gebacken, ich hatte nur zwei Formen, also musste der Backofen ganz schön „schaffen“.

Dazu gab es Ostermarmelade, und für die kleinen natürlich einen Schokoladenhase.

Am Karsamstag, nach Einbruch der Dunkelheit, machte ich mich auf den Weg, meine sieben Stationen anzufahren. Begonnen habe ich in Hechingen, und bin dann über Wessingen, Stockenhausen, Margrethausen nach Ebingen und Winterlingen gefahren.

Leise habe ich mich an die Haustüren geschlichen und gehofft, dass mich niemand sieht. Immer wenn eine meiner Tüten sicher an der Haustüre hing, saß ich erleichtert wieder in meinem Auto.

Nach fast drei Stunden war ich wieder zu Hause, total geschafft, aber glücklich, dass es geklappt hatte. Im Radio wurde eine Übertragung der Osternacht aus dem Münster in Überlingen gesendet. Das gab so einen Frieden zumal es fast die gleiche Liturgie war wie bei uns in der Thomaskirche. Wir fühlten uns da ganz besonders getragen und beschützt. 

 

Die Freude meiner Familie am Ostersonntag war für mich Osterfreude pur. Die Überraschung ist mir gelungen und für nächste Ostern hoffen wir, dass wieder alle mit einander feiern können. Darauf hoffen und vertrauen wir.

Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

 

Und falls Sie einmal Osterhase spielen wollen, hier mein Rezept für die Ostermarmelade.

Für drei Gläser:

150 g Maracujasaft

  80 g Ananas

  80 g Äpfel

250 g Orangenfruchtfleisch

  70 g Möhren

Saft einer halben Zitrone

325 g Gelierzucker 2:1

Alle Zutaten pürieren, Zitrone und Gelierzucker dazu geben.

Nach Anweisung kochen und heiß in Gläser einfüllen.

Doris Burgmann

Samstag, 25.04.2020 

Flügel wie Adler

Fotos: Thomas Behrendt

Am Sonntagvormittag legte ich mir eine CD von Thea Eichholz ein, die mich schon seit Jahren begleitet und die ich von Zeit zu Zeit gerne höre. Musik und Text reichen sich die Hand und erzählen von Gottvertrauen. Vielleicht kennen sie das, Lieder, die sie fast in und auswendig kennen, sprechen sie plötzlich in einer ganz besonderen Situation an. Für mich war es so. Meine Sonntagsgedanken waren online gestellt und ich fühlte mich beschenkt, weil Kirchengemeinderäte sich mit ihren Gedanken eingebracht haben. Gleichzeitig war ich wie sie, vom letzten Teil des Bibeltextes Jesaja 40,31 ermutigt.

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft,

dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,

dass sie laufen und nicht matt werden,

dass sie wandeln und nicht müde werden.

Und mit einem Mal nehme ich das Lied „Unterm Schirm“ von Thea Eichholz wahr und denke, sie singt von dem, was für den Sonntag gemeinsam entstanden ist:

„Wenn du am wenigstens daran denkst, dann ist er da.

Gott lässt keinen los, der sich fallen lässt in seine starke Hand.“

 

Dieser Rotmilan auf dem Foto ist für mich das entsprechende Bild dazu. Sich aufmachen, Ängste überwinden, Neues wagen oder einfach nur Schritt um Schritt weitergehen, da braucht es Vertrauen. Verbunden mit dem Mut, sich abzustoßen, den Fels zu verlassen, um sich hinauf in die Lüfte zu schwingen, weil ich weiß, meine Flügel tragen mich.

Ihr Pfarrerin Nicole Gneiting

Über eine Rückmeldung freue ich mich (nicole.gneitingdontospamme@gowaway.elkw.de)

Freitag, 24.04.2020

Woher kommt mir Hilfe?

Foto: Herbert Friederich

Es war auf unserer Gemeinde-Studienreise im April 2017 im Friaul in Oberitalien. Am Morgen waren wir aufgebrochen und in die Karnischen Alpen gefahren. In den Bergdörfern Sauris di Sotto und Sauris die Sopra hatte uns unser Kunsthistoriker Dr. Christoph Ulmer die spätgotischen Schnitzaltäre von Michael Parth erklärt. Später besuchten wir das sehenswerte Volkskundemuseum in Tolmezzo. Zuletzt an diesem Tag sollte es noch nach Venzone gehen. Das Städtchen und seine Umgebung waren im Jahre 1976 von schweren Erdbeben heimgesucht worden. Inzwischen ist der mittelalterlich geprägte Stadtkern wieder aufgebaut worden. Auch der Dom Sant‘ Andrea Apostolo. An vielen Stellen ragt noch das unverputzte Mauerwerk heraus. Dem Besucher sollen die einstigen Zerstörungen sichtbar gemacht werden.

Besonders beeindruckend war eine Skulptur, aus einem dicken Baumstamm geschnitzt. Eine Gruppe von Menschen, Männer, Frauen und Kinder, stehen dicht gedrängt beieinander. Sie stehen auf den Zehenspitzen und recken ihre Hände in die Höhe. Die sehnigen Hände und die weit ausgespreizten Finger wirken wie eine Krone über dieser um Hilfe flehenden Menschengruppe. Man meint geradezu den Hilferuf „Herr erbarme dich, Christus erbarme dich, Herr erbarme dich“ aus dem Kyrie der Abendmahlsliturgie zu hören. Auch der Anfang des 121. Psalms kam mir beim Betrachten des Kunstwerks in den Sinn:

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“ Beeindruckt verließen wir am Abend den Dom mit diesem Kunstwerk, das sich tief in unser Gedächtnis eingegraben hat.

Herbert Friederich

Rückmeldungen senden Sie gerne an: herbert.friederichdontospamme@gowaway.t-online.de 

Donnerstag, 23.04.2020

In Not und Krankheit

Grafik: Pfeffer

Gott --

mittenhinein

in die Schatten

unserer Angst

rufst du

uns zu:

»Fürchtet euch nicht!«

 

Und

versprichst uns

Zuversicht

inmitten von Verzweiflung,

Aufbruch

inmitten von Resignation,

Mut

inmitten von Bedrängnis.

 

»Fürchtet euch nicht!«

rufst du, Gott,

uns zu,

damit auch wir

dafür beten, eintreten

und es laut weitersagen:

 

Die Angst

hat nicht

das letzte Wort.

Befreites Leben

ist möglich.

»Fürchtet euch nicht!«

 

Gesangbuchnummer: 827

Gesangbuchseite: 1472

Mittwoch, 22.04.2020

 

Osterhase und Engel – auch systemrelevante Berufe

Foto: Rach

Was ist uns wichtig in diesen Tagen?

Gesundheit. Das wünschen Menschen sich gegenseitig besonders oft.

Immer wieder sind wir alle beeindruckt von dem großen Einsatz der Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen, und der anderen Mitarbeitenden im Gesundheitswesen.

Ich will mir gar nicht ausmalen, wie es sich unter den Schutzanzügen und Masken anfühlt.

Großer Respekt und Dank.

Was ist uns wichtig in diesen Tagen?

Beziehungen. Viele Menschen halten sich an die Abstandsregel und sehen ihre Lieben über längere Zeit nicht. Über die Feiertage und in den Osterferien haben manche einander noch deutlicher vermisst. Die Großeltern die Enkelkinder, die Enkelkinder die Großeltern. Die Geschwister, die Nichten und Neffen, Freunde werden vermisst.

Jemand hat mir erzählt: Das Enkelkind, das weiß, dass die Kita zu ist, fragt seine Eltern immer wieder, ob bei der Oma und dem Opa es immer noch zu sei. ☹

Viele ermutigen einander: dieses Jahr nicht, aber nächstes Jahr dann desto mehr. Oder: wir holen dies nach.

Auch für diese „Übergangszeit“ (diese nicht so „richtige“ Zeit) brauchen wir Zeichen der Verbundenheit, auch wenn wir die Liebsten nicht sehen und persönlich umarmen können.

 

Dieses Jahr habe ich den Osterhasen besonders geschätzt. Die kleinen Überraschungen an der Tür waren ja nicht nur zum Essen da, sondern auch für das Herz.

Der Osterhase kam auch per Telefon und E-Mail.

Er war dieses Jahr besonders kreativ.

Irgendjemand hat gesagt: der Osterhase ist dieses Jahr ein systemrelevanter Beruf.

 

Wer kommt und berührt unser Herz, wenn die Osterzeit vorbei ist? Wer tritt zu uns in Beziehung?

Und die Antwort haben wir in der Überschrift: Engel.

Für mich ist ein Engel nicht eine Wesensbezeichnung, sondern eine Aufgabe.

Auch wenn ich die Abbildungen von Engeln in der Kunst sehr schätze. Mein Lieblingsengel befindet sich an der Kathedrale von Reims: der lachende Engel.

Ein Engel bringt ein Lächeln, Leichtigkeit, ein Wort, vielleicht einen Witz, eine positive Überraschung (etwas, von dem man gar nicht weiß, dass man dies genau jetzt braucht), für mich bringt er oft Werkzeug mit, in diesen Tagen für manche die Einkäufe.

Und das spannendste ist, dass man oft gar nicht weiß, wann man für den anderen zum Engel geworden ist.

Man weiß nur: dieser Mensch war ein Engel für mich. In diesem Augenblick für mich systemrelevant.

Ihre Ilze Druviņa

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de

Dienstag, 21.04.2020

Teilen Sie Ihre Mutmach-Gedanken mit uns!

Dietrich Bonhoeffer

epd-Bild / Gütersloher Verlagshaus

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem    

Bösesten, Gutes
entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,                

die sich alle Dinge zum Besten
dienen lassen.


Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage             

so viel Widerstandkraft geben
will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im V3oraus,          

damit wir uns nicht auf uns
selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.


Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige
Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Quelle:
Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 30 f

Dietrich Bonhoeffer starb am 9. April 1945 im KZ-Flossenbürg

Montag, 20.04.2020

Albert Camus: Sisyphos und die Pest

Grafik: Pfeffer

Der eine oder andere wird sich in diesen Tagen an das Buch „Die Pest“ von Albert Camus erinnern. Als ich 1984 Abitur machte, war dieser Roman Sternchenthema für den Leistungskurs Französisch. Ich habe am Osterwochenende meine alte französische Ausgabe aus dem Regal genommen und ein wenig durchgeblättert. Besonders bin ich an den Stellen hängengeblieben, die ich mir damals unterstrichen habe. Und auch wenn ich nicht mehr alles verstanden habe, ist mir doch vieles wieder eingefallen: vor allem der beständige, unaufgeregte Kampf, den der Arzt Bernard Rieux gegen die Pest führt. Er ist der Held des Romans, ohne ein klassischer Held zu sein. Er tut, was er kann. Er gibt sein Bestes. Und er tut es aus einem Gefühl der Solidarität mit den Menschen. Sein Credo ist einfach - und es hat mich seither begleitet; am Ende des Romans sagt er:

„…et pour dire simplement ce qu’on apprend au milieu des fléaux, qu’il y a dans les hommes plus de choses à admirer que de choses à mépriser.

...und um einfach zu sagen, was man in Plagen lernt, nämlich dass es an den Menschen mehr zu bewundern als zu verachten gibt.“

Ich schließe mich diesem Wort von Doktor Rieux auch jetzt gern an. Denn ich sehe in diesen Tagen der Corona-Krise so viele Zeichen der Verbundenheit und der praktizierten Solidarität mit anderen Menschen, dass ich tief berührt bin und sehr dankbar.

Der Arzt Rieux verkörpert in Albert Camus‘ berühmten Roman sein Verständnis des Mythos von Sisyphos. Sisyphos wälzt bekanntlich den Stein auf den Berg, obwohl er weiß, dass dieser bald wieder ins Tal stürzen wird. So weiß auch Rieux, dass der Pestbazillus nie ganz und für immer verschwinden wird. Doch diese Tatsache ist für ihn kein Grund zu resignieren, sondern mit seiner Arbeit weiterzumachen. Und so gilt auch für Rieux (und uns alle, wenn wir auch in Zukunft Solidarität und Nächstenliebe leben), was Albert Camus über Sisyphos geschrieben hat:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Walter Schwaiger

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: walter.schwaigerdontospamme@gowaway.elkw.de

Samstag, 18.04.2020

Auferstehen zum Leben

Schmetterling

Foto: W. Böger

Auferstehen zum Leben

wenn das Leben deine Pläne durchkreuzt

auferstehen zum Leben

wenn die Sorgen des Alltags dich zu ersticken drohen

auferstehen zum Leben

wenn du merkst, dass es so nicht mehr weitergeht

auferstehen zum Leben

so wie die Raupe ihr Dasein loslassen muss,

um als Schmetterling die Sonne zu begrüßen,

so wirst auch du

durch Wut und Tränen hindurch

durch Loslassen und Hingabe

auferstehen zum Leben

Klaus Metzger-Beck (www.zukulele.de)

gefunden von Karin Böger

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Freitag, 17.04.2020

 

Impressionen vom Frühstückstisch am Ostersonntag

Foto: Schick

Normalerweise gehen wir am Ostersonntag regelmäßig zum Familiengottesdienst mit Frühstück in die Emmauskirche.

Schon in den Tagen vor Ostersonntag war es bei uns in der Familie immer wieder Thema, dass dieses Frühstück in der Gemeinschaft nicht stattfinden wird und dass wir das sehr bedauern.

Als ich nun am Ostersonntag den Frühstückstisch decken wollte, habe ich festgestellt, dass meine Kinder schon viel früher als ich aktiv waren und heimlich den Tisch, wie sonst in der Kirche, gedeckt und geschmückt haben.

Nachdem die Osternester gefunden wurden, gab es für die Kinder auch noch eine süße Überraschung, denn auch der „Osterhase der Emmauskirche“ war unterwegs.

Für unser Lieblingslied zu Ostern „Korn, das in die Erde…“ freuen wir uns aber wieder auf das nächste Jahr, denn in der Gemeinschaft singt es sich besser.

Kathrin Schick

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: schick.kathrindontospamme@gowaway.web.de

Donnerstag, 16.04.2020

Ende Pessach

epd bild/Schellhorn

Kennen Sie Angelo Branduardi, den italienischen Sänger und Komponisten? Er wurde bekannt mit wunderschönen Balladen wie „la pulce d´acqua“. Ein weiterer bekannter Titel ist „alla fiera dell´est“ („Auf der Messe im Osten“). Dieses Volkslied handelt von einer Maus, die von einer Katze gefressen wird, welche ein Hund beißt, den wiederum ein Stock schlägt… und: Der Refrain wird immer länger.

Man könnte so ein Lied ins Unendliche ausdehnen oder immer wieder von vorne beginnen lassen. Hier findet die Kettenreaktion jedoch ein jähes Ende, und zwar ein österlich-tröstliches: Es ist kein Geringerer als der Tod, den der HERR zuletzt in die Schranken weist!

Passenderweise stammt das alte aramäische Lied aus dem jüdischen Passafest und heißt „chad gadya“ (ein Böcklein). Die Haggada (Erzählung), aus der am Sederabend rezitiert, gebetet und gesungen wird, enthält die Erzählungen vom Auszug aus Ägypten, Psalmen und viele Gedichte und Lieder. Die Kinder kommen bei diesem fröhlichen Fest nicht zu kurz. Bei diesem Lied müssen alle ziemlich aufpassen, dass die Verse nicht verwechselt werden. Ich zitiere nur die ersten Zeilen einer Strophe – zum Selber-Ergänzen.

Neben den biblischen Erzählungen von dem Gott, der sein Volk aus der Sklaverei befreite, hat sicher auch dieses Lied die jüdische Gemeinden über die Jahrhunderte der Verfolgung im Vertrauen auf den einen Gott gestärkt, der barmherzig und gerecht ist und am Ende sämtliche Teufelskreise von Fressen und Gefressenwerden aufhebt.

Ein Lämmchen, ein Lämmchen, das kaufte mein Vater für zwei Sus, ein Lämmchen, ein Lämmchen.

Da kam die Katze und fraß das Lämmchen, das mein Vater für zwei Münzen gekauft hatte...

Da kam der Hund und biss die Katze, die das das Lämmchen gefressen hatte...

Da kam der Stock und schlug den Hund, der die Katze gebissen hatte…

Da kam das Feuer und verbrannte den Stock, der den Hund geschlagen hatte…

Da kam das Wasser und löschte das Feuer, das den Stock verbrannt hatte...

Da kam der Ochse und trank das Wasser, das das Feuer gelöscht hatte…

Da kam der Schächter und schlachtete den Ochsen, der das Wasser getrunken hatte…

Da kam der Todesengel und schlachtete den Schächter, der den Ochsen geschlachtet hatte…

Da kam der Heilige, gepriesen sei er, und erschlug den Todesengel, der den Schächter schlachtete, der den Ochsen schlachtete, der das Wasser trank, das das Feuer löschte, das den Stock verbrannte, der den Hund schlug, der die Katze biss, die das Lämmchen fraß, das mein Vater für zwei Sus kaufte, ein Lämmchen, ein Lämmchen.

 (Übersetzung aus dem Aramäischen: Kombination verschiedener Übertragungen mit eigener Übersetzung)

 

Dieses Jahr fallen Passa und Ostern zusammen. Wir Christenmenschen feiern den Sieg Christi, des Gotteslamms, über die Mächte des Todes, die für uns wieder neue Namen haben.

Ihre Marlies Haist

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: marlies.haistdontospamme@gowaway.elkw.de

Mittwoch, 15.04.2020

Mein klangvolles Osterfest 2020

Emmauskirche

Walter Böger

Von Herzen hoffe ich, dass Sie dieses Jahr auch ein Erlebnis, einen Gedanken, eine Erfahrung, ein Gespräch hatten, bei dem Sie gedacht haben – wow, das ist es! Das ist mein Osterfest dieses Jahr!

Ich hatte so etwas und es war erfüllt mit verschiedenen Klängen.

Aber alles begann mit der Hetze. In diesen Tagen fühle ich mich eher wie in meinen Studentenzeiten, als ich die Vorlesungen nicht nach dem Thema, sondern nach der Uhrzeit ausgesucht habe (da unterscheide ich mich von den Frauen, die nachdem der Sabbat vorüber war, sehr früh ans Grab gingen).

So ganz kurz vor 10 Uhr eile ich die Treppe hoch zur Emmauskirche. Ich habe versprochen, dass ich an diesem Morgen das ökumenische Osterläuten läute. Die innere Anspannung wird nicht weniger, als ich die Glocken der benachbarten katholischen St. Hedwigskirche höre – sie läuten vor! (kurz darauf denke ich – vielleicht gut so: das eine Läuten geht in das andere über und so wird das Osterfest länger eingeläutet)

Als ich oben ankomme, werde ich überrascht (genauso wie die Frauen am ersten Ostermorgen, als sie sehen, dass alles anders ist, als erwartet): auf der Bank bei der Kirche sitzen zwei vertraute Menschen aus der Gemeinde (keine Sorge, sie wohnen in einer Hausgemeinschaft).

Ich bin so überrascht, sie zu sehen, dass ich mir selbst fast unhöflich vorkomme.

Und dann läuten die Glocken.

Ihr mächtiger Klang berührt mich, auch wenn ich ein wenig traurig bin, dass sie nicht um Mitternacht bei der Osternachtsfeier läuten durften.

Nach siebeneinhalb Minuten Läuten eile ich den Zweien, die mit mir auf Distanz dem Glockenklang gelauscht haben, hinterher – von der Emmauskirche aus in die Silberdistelstraße Richtung Westen.

Auf seinem Balkon spielt ein anderer Vertrauter aus der Gemeinde auf seiner Posaune: Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieeleis.

Und es ist ein tröstlicher und feierlicher Klang.

Als er dann mein anderes Liebslingsosterlied spielt, bewegen sich meine Füße wie im Tanz (und ein Ostertanz war für den Ostergottesdienst in der Emmauskirche dieses Jahr geplant): Er ist erstanden, Halleluja! Freut euch und singet, Halleluja!

Und ich freue mich.

Als aus den benachbarten Häusern Leute „Frohe Ostern!“ rufen, rufe ich laut die Straße entlang: Christus ist auferstanden!

Und ich bekomme die Antwort: Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ihre Ilze Druviņa

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de

Dienstag, 14.04.2020

Das Fest der Feste

„Feiert mit mir das Fest aller Feste. Schmückt trauernde Häuser. Kehrt den Schmutz von den Straßen. Kommt aus den Kellern der Angst. Öffnet verriegelte Türen. Reißt dumpfe Fenster auf. Springt in die Freiheit. Lacht mit mir voll der Freude aller Freuden. Das Grab der Gräber wurde gesprengt. Der Stein der Verzweiflung ist weggerollt. Die neue Welt hat ihren ersten Tag. Singt vom Sieg aller Siege. Fegt die Angst aus den Herzen. Lacht dunklen Mächten ins Gesicht. Wagt schon heute das Leben von morgen.“  (Verfasser unbekannt)

Dieses Osterfest ist anders als sonst.

Wir können nicht zu unseren Familien, wir können nicht verreisen, wir können nicht mal einen Gottesdienst besuchen.

Wir sind ganz zurückgeworfen auf uns selbst und auf die Menschen, mit denen wir zusammenleben.

Bei Vielen machen sich Langeweile und Aggressionen breit, bei Vielen bewirken diese Tage aber auch spürbare Entspannung und einen ungeahnten Kreativitätsschub. Und so viele helfen – gehen einkaufen, führen Hunde aus, machen Besorgungen.

Wir selbst entscheiden, ob die Zeit, die wir jetzt zu Hause verbringen müssen, vertane oder fruchtbare Zeit wird.

Ich weiß nicht, wer den Stein mit dem Osterwunsch bemalt hat – ob jung oder alt, Mann oder Frau.

In jedem Fall war es jemand, der seine Zeit gut genutzt hat und anderen eine Freude machen wollte. Sonst hätte er den Stein nicht so sorgsam auf dem Geländer platziert.  Und ich spüre in diesem Tun, dass da jemand allen Einschränkungen sein fröhliches „Dennoch“ entgegensetzt.

„Fegt die Angst aus den Herzen. Lacht dunklen Mächten ins Gesicht. Wagt schon heute das Leben von morgen.“

Der Anfang ist gemacht.

Gott lässt uns nicht allein. Deshalb hat er uns Jesus an die Seite gestellt, damit wir sehen, wie ein Leben vor Gott aussehen kann: frei und ohne Angst, voller Lust am Leben.

Es ist weise, vor dem Corona-Virus gehörigen Respekt zu haben.

Aber mehr auch nicht.

Er bekommt nicht unsere Hoffnung

Er bekommt nicht unsere Lebensfreude

Er bekommt nicht unsere Zukunft.

Die liegt in Gott.

Das ist Ostern.

 

Ich wünsche Allen, dass diese Osterfreude Sie durch die kommenden Tage trägt –

bis zu unserm Wiedersehen,

Ihre

Gisela Pullwitt

 

Für eine Rückmeldung schreiben Sie an: gisela.pullwittdontospamme@gowaway.elkw.de

Ostermontag, 13.04.2020

Zitat

Foto: Walter Böger

Foto: Walter Böger

Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln - zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Martin Luther King

Fotos: Frühlingsenzian, Leberblümchen, auf dem Ochsenberg Ebingen (gemacht in diesen Tagen von Walter Böger)

Samstag, 11.04.2020

Gründonnerstag

Garten Gethsemane

Garten Gethsemane, Foto: Karin Böger

Gestern Abend begann das Passafest! Es wird in jüdischen Familien dieses Jahr gleichzeitig mit unserem Osterfest gefeiert.

Ein ganzer Abend gehört der Erinnerung: an die Sklaverei in Ägypten und an den Einen Gott Israels, der sein Volk auf den Weg in die Freiheit begleitet hat. Und dabei soll sich „jede/r so betrachten, als sei er / sie selbst aus Ägypten ausgezogen“. Beim Sederabend haben auch die Kleinsten ihre Aufgaben, das Kleinste singt: „Was ist anders an dieser Nacht als in allen anderen Nächten?“

Der Sederabend hat seine Ordnung, über die Jahrhunderte sind Gebete, Lieder und Sprüche dazugekommen. Pessach heißt „vorübergehen“. Die letzte Plage ging an den Häusern der Hebräer vorüber, weil die das Blut des Lammes an die Türpfosten gemalt hatten.

Beim festlichen Mahl kommen verschiedene Speisen auf den Tisch, die an die bittere Zeit der Sklaverei und der Wüstenwanderung erinnern: die Mazzen sind das ungesäuerte Brot, das die Hebräer noch in der Nacht der Flucht eilig buken. Es wird immer wieder in eine Schüssel mit Salzwasser getaucht; das erinnert an die bitteren Tränen, die in der Gefangenschaft vergossen wurden. Von Bitterkräutern wird probiert. Ein Mus namens Charosset erinnert an die Ziegel, die die Hebräer für die ägyptischen Bauten brennen und schleppen mussten: Es besteht aus Äpfeln, Zimt und Rotwein.

Wenn Jesus das Brot bricht und den Becher mit Wein segnet, tut er das ganz im Einklang mit der Tradition des Sederabends. Beides kommt mehrmals zum Einsatz.

„Siehe, das Brot des Elends! Das haben unsere Väter gegessen. Jeder, der Hunger hat, soll kommen und essen. Jeder, der bedürftig ist, soll kommen und mit uns Pessach feiern. Dieses Jahr hier – kommendes Jahr in Jerusalem. Dieses Jahr Sklaven – kommendes Jahr Freie“.

In dieser Nacht tut Jesus etwas, das er noch nie getan hat: Er bietet sich seinen Jüngern selbst an als Nahrung: „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut.“

Denn der Weg, den er geht, führt in die Freiheit: die Freiheit der Vielen, die Vergebung erfahren, die Freiheit von der Macht der Sünde, die Freiheit der Kinder Gottes.

Machen wir es auch so, dass wir uns selbst so sehen, als wären wir … woher auch immer herausgezogen – mit Gottes Hilfe? Mit Jesus, der für uns den Kreuzweg ging bis zur bitteren Neige …

Über eine Rückmeldung freue ich mich: marlies.haistdontospamme@gowaway.elkw.de

Donnerstag, 09.04.2020

Kirchenglocken

Glocken

epd-bild/Thomas Morell

Seit 11,5 Jahren habe ich das Privileg, neben der Emmauskirche zu wohnen und jeden Tag die Glocken zu hören.

Ein Privileg. Aufgewachsen bin ich in der Sowjetunion, wo die Kirche und so auch die Glocken keine Rolle spielten. Und es berührt mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich die Kirchenglocken hören darf. Sie laden (normalerweise) zum Gottesdienst ein, sie verkünden den Daheimgebliebenen, wann das Vater Unser gebetet wird und wann eine Taufe gefeiert wird, am Samstagabend läuten sie den Sonntag ein (mein Lieblingsgeläut – da mache ich oft die Tür auf, damit ich es noch besser hören kann).

Im Alltag erinnert das Glockengeläut uns an die geistliche Dimension des Lebens.

Seit ein paar Wochen läuten die Glocken der evangelischen Kirchen in Ebingen um 18 Uhr etwas länger wie bisher: 5 Minuten.

Was sind fünf Minuten?

Nicht viel.

Und doch eine Menge.

Unterbrechung. Am Abend eines Tages lasse ich mich unterbrechen bei dem, was ich gerade tue, und lasse meine Gedanken bewusst zu den Nöten dieser bewegten Zeit schweifen.

Gebete. Gebete für die Kranken und Gebete für die Menschen, die für Sie und uns alle da sind. Wie auch immer ihr Einsatz aussehen mag.

Gemeinsame Gebete. Eine ältere Dame erzählte mir am Telefon, dass sie jeden Abend um 18 Uhr das Fenster öffnet, die Glocken hört und betet. Zusammen mit anderen zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.

Verbundenheit. Im Gebet und in unseren Gedanken sind wir verbunden. Ich weiß, dass viele andere auch zur selben Zeit innehalten. Fast wie ein Mini-Gottesdienst jeden Abend um 18 Uhr.

Glockengeläut – eine kleine Erinnerung: auch in diesen Zeiten sind wir nicht allein auf unseren Wegen. Menschen begleiten uns. Und Gott.

Ein Privileg.

Pfarrerin Ilze Druviņa

Über eine Rückmeldung freue ich mich: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de  

Mittwoch, 08.04.2020

Engel der Hoffnung

Foto: D. Rach

https://www.youtube.com/watch?v=srDAo1KEGXU

Im Psalm 91 heißt es:

Gott hat seinen Engeln befohlen über dir,

dass sie dich behüten auf all deinen Wegen.

 

Ich wünsche dir einen Engel der Hoffnung,

der dein Herz erfüllt in diesen Tagen,

der zu dir spricht: Fürchte dich nicht.

 

Der dir jeden Morgen neu hilft,

die Nacht aus deinem Innern zu vertreiben.

 

Der neben dir steht,

dunkle Gedanken zu verscheuchen,

dass du nicht müde wirst

und dich die Verzweiflung nicht erdrückt.

 

Ich wünsche dir einen Engel, der mit dir das Helle sucht,

die Fröhlichkeit und die Liebe

und auch die Kraft, die in dir steckt,

dass du Mut und Hoffnung findest.

 

Einen Engel, der nie aufhört dir zu sagen:

„Fürchte dich nicht!

Du bist nicht allein!“

 

Dies wünscht Ihnen von Herzen Ihr Pfarrerin Nicole Gneiting

Über eine Rückmeldung freue ich mich: nicole.gneitingdontospamme@gowaway.elkw.de

Dienstag, 07.04.2020

Der Unterschied zwischen Kraft und Mut...

Ieva Purina

Man braucht Kraft um stark zu sein,

aber man muss Mut haben, um höflich zu sein.

Man braucht Kraft um sich zu verteidigen,

aber man muss Mut haben, um Vertrauen zu haben.

Man braucht Kraft um einen Kampf zu gewinnen,

aber man muss Mut haben, um sich zu ergeben.

Man braucht Kraft um recht zu haben,

aber man muss Mut haben um zu zweifeln.

Man braucht Kraft um stabil zu bleiben,

aber man braucht Mut, um aufrichtig zu bleiben.

Man braucht Kraft um das Leiden eines Freundes zu sehen,

aber man braucht Mut, um sein eigenes Leiden zu fühlen.

Man braucht Kraft um seine eigenen Fehler zu verbergen,

aber man braucht Mut um dieselben einzugestehen.

Man braucht Kraft um das Unrecht zu ertragen,

aber man braucht Mut, um dasselbe zu beenden.

Man braucht Kraft um alleine zu bleiben,

aber man braucht Mut, um Hilfe zu bitten.

Man braucht Kraft zum Lieben,

aber man braucht Mut, um geliebt zu werden.

Man braucht Kraft um zu überleben,

aber man braucht Mut zum Leben.

 

Berthold Auerbach

(1812 - 1882), eigentlich Moses Baruch Auerbacher, deutscher liberaler Kulturpolitiker und Schriftsteller

 

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de 

Montag, 06.04.2020

 

Hamstern

Foto: Ieva Purina

Das wunderbare Verb dieser Tage ist hamstern.

Hamstern: Mehl. Zucker. Öl. Seife. Spülmittel. Taschentücher. Lieblingsdeo.

Jede und jeder braucht etwas anderes, damit frau/man in diesen bewegten Zeiten sich sicherer fühlen kann. Mindestens für den Augenblick des Einkaufes. Mindestens.

Als ich mich bei mir zu Hause umschaute und sieben verschiedene bis jetzt mir unbekannte Klopapierpackungen fand, hörte ich mit dem Hamstern von Klopapier auf und fing an zu fantasieren, was ich mit den sieben verschiedenen Klopapierrollen anstellen könnte.

Und die spontane Idee war – einen Regenbogen machen. Klar, ich müsste zuerst das Papier in den sieben Farben des Regenbogens bemalen.

Einen Regenbogen haben viele Kinder, die jetzt zu Hause bleiben müssen, für ihre Fenster gemacht.

Damit die anderen Kinder, die beim Spaziergang vorbeilaufen, wissen, dass in diesem Haus oder in dieser Wohnung auch ein Kind zu Hause ist. Und nicht in der Schule oder in der Kindertagesstätte.

Der Regenbogen.

Er fasziniert.

Wenn dieser nach einem Regen zu sehen ist, bleiben Menschen oft auf der Straße stehen und bewundern ihn.

Oder man ruft jemanden ans Fenster oder raus ins Freie, wenn man ihn entdeckt hat und ihn zeigen möchte.

Der Regenbogen. In der Geschichte über Noah verbunden mit dem Segen Gottes für Noah und seine Nachkommen und dem Versprechen Gottes, die Erde und die Menschen bestehen zu lassen.

Der Regenbogen als Zeichen der Hoffnung, als Zeichen des Neubeginns, als Zeichen des Segens trotz mancher Mühe und Not.

In diesen Tagen habe ich in einem Brief von der Schuldekanin gelesen: Hamstern Sie Hoffnung!

Hamstern. Der Leib braucht Vorräte. Und die Seele auch.

In manchen Augenblicken dieser bewegten Tage habe ich den Eindruck, dass die Seele noch mehr Vorräte braucht als die Speisekammer.

Lasst uns hamstern! Hoffnung! Freundschaftliche Anrufe! Zuversicht! Verbundenheit! Die bunten Farben dieser Welt (Gruß an Frederick aus dem berühmten Kinderbuch)! Lächeln! Zeichen der Zuwendung! Kraft und noch mehr Hoffnung, die ihre Quelle nicht bei uns haben, sondern bei dem Gott, der uns auf grünen Auen und zum frischen Wasser begleitet und der bei uns auch in den finsteren Tälern des Lebens ist (Psalm 23).

P.S. Anbei ein Bild von den bunten Farben des Glasfensters im Chorraum der Martinskirche. Fast ein Regenbogen.

Pfarrerin Ilze Druviņa

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich: ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de

Samstag, 04.04.2020

Gegengift

Vielleicht kennen Sie den korrekten Namen der Pilze, die wie dunkelbraune Pergamentkugeln auf dem Wiesenboden liegen und ihre Sporen wie Rauch in die Luft wehen lassen, wenn man darauf tritt? Sie liegen lose auf dem Boden und lassen sich davonblasen. Wir hatten als Kinder großen Spaß mit diesen „Rauchpilzen“ und suchten darum bestimmte Wiesen besonders gerne auf…

Pilze sind nicht Pflanze und auch nicht Tier. Wenn sie einen Fruchtstand haben, schmecken die einen köstlich, die anderen sind ungenießbar bis gefährlich giftig. Die meisten Pilze im Wald bilden, wie wir aus den Büchern eines bekannten Försters wissen, riesige Organismen in den Waldböden aus in Symbiose mit den Bäumen. Alles hängt miteinander zusammen, es ist ein Geben und Nehmen. Die Pilze nähren sich vom Pflanzensaft der Bäume und übernehmen wiederum die Aufgabe, Kontakt zu den Nachbarbäumen zu knüpfen. Und das alles geschieht fürs bloße Auge unsichtbar.

Auch ein Virus ist so ein Zwischenwesen, auch Viren leben in Symbiose mit ihren Wirten. Manche haben es in Vorzeiten sogar ins menschliche Genom geschafft. Dieser Virus Covid-19 verbreitet sich schnell, ist nicht greifbar und daher so unheimlich und so toxisch. Darum müssen wir aus Liebe zum Nächsten paradoxerweise Abstand halten, zum Schutz der Menschen, denen so ein blinder Passagier schwer schaden könnte.

Wir sind verwundbar, ohnmächtig und spüren das. Wir können uns nicht mehr auf Routinen und Prognosen verlassen, alles ist in Frage gestellt, wirklich alles. Und manches wird anders sein als bisher, den einen zum Schaden, den anderen zum Nutzen. Und was mir auch Sorgen macht: Das Virus setzt viele Kräfte frei, Idealismus, Liebe, Kreativität – aber es macht auch ängstlich, übervorsichtig, misstrauisch (abgesehen vom Stress, dem eng beieinander lebende Familien jetzt ausgesetzt sind). Ich weiß nicht, vor welchem Gift ich gerade mehr Angst habe.

Es ist schon oft gesagt worden, aber eine wichtige Erfahrung: Diese Krise wirft uns auf uns selbst zurück: Was ist mir wichtig, worüber definiere ich mich, meinen Wert? Ich musste durch das giftige Virus Vorhaben aufschieben, wenn nicht gar aufgeben. Was ich vorhabe und arbeite, steht unter anderem Vorzeichen. Ich muss anders denken, vorläufiger.

Ärger, Angst, Lähmung, Isolation, Befreiung, Zuwendung, Liebe, Kreativität: Alles ist jetzt möglich.

Im Rückblick sehe ich die ätzend ungewissen, schwer auszuhaltenden Zeiten vermeintlichen Stillstandes oft ganz anders: Da hatte etwas Überraschendes Zeit zu wachsen. Und jetzt – wer weiß?

So wie bei den Pilzen, deren Geflecht unter dem Boden fürs bloße Auge unsichtbar ist, geschieht manches im Stillen: Vielleicht merken wir „danach“, dass etwas anders ist. Wo wird es hingehen?

Ein Bibelvers kommt mir gerade öfter in den Sinn, der inzwischen wieder ganz beliebt ist als Taufspruch oder Denkspruch zur Konfirmation: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der HERR allein lenkt seinen Schritt“ (Sprüche 16,9).

Das Herz ist in der Sprache der Bibel der Sitz der Gedanken. Wohin zieht es mich? Was ist mein „Sinnen und Trachten“? Erlebe ich jetzt so etwas wie Vergeblichkeit? Muss ich umdenken, die Richtung ändern?

Vielleicht entsteht eine Vision von neuem Leben, wie das Herz es wirklich weiß und will.

Neues Leben hat uns Christus verheißen. Wir feiern, dass er die giftigen Todesmächte besiegt hat!

Auch wenn es ein merkwürdiges Osterfest werden wird – ohne versammelte Festgemeinde: Die Glocken werden läuten! Die frohe Botschaft geben wir einander trotzdem weiter, fernmündlich, schriftlich oder über soziale Medien. Niemand kann sie aufhalten, wenn sie in unserem Herzen wohnt – auch ein Virus nicht.

Ihre Pfarrerin Marlies Haist

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich, marlies.haistdontospamme@gowaway.elkw.de 

Freitag, 03.04.2020

Gruß aus der Martinskirche

Für unsere Mutmach - Gedanken haben wir heute ein Bild unserer Mesnerin Aksana Kauerhof aus der Martinskirche erhalten. Mit Blumen werden wir willkommen geheißen. Kerzen dürfen entzündet werden, verbunden mit unseren Gebeten, als Ausdruck von Hoffnung und Vertrauen.

 

Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen.

Denn dass Gott uns liebt, ist uns unumstößlich gewiss.

Seine Liebe ist ja in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, den er uns geschenkt hat.

Römer 4,5

Donnerstag, 02.04.2020

Weiches Klopapier gegen die Angst zu kurz zu kommen

Am Montag hing an unserer Haustür eine Versorgungstüte gegen die Langeweile. Ein Spiel zum Ausprobieren. Eine große Dose mit selbstgebackenen Keksen. Gummibärchenpäckchen für die Kinder. Ein Zeitungsartikel. Und oben drauf eine Rolle Klopapier.

Da musste ich nicht nur lächeln. Da musste ich lachen... und an eine Geschichte denken, die ein treuer Weggefährte aus der Kirchengemeinde mir mal erzählt hat.

Es ist eine Geschichte von den Bewohnern eines Dorfes, die immer ein Säckchen mit kleinen weichen Pelzchen mit sich trugen. Und jedes Mal, wenn sie sich begegneten, tauschten sie die kleinen weichen Pelzchen aus. Bei der Begegnung suchte man ein für die andere Person passende Pelzchen aus.

Wie Sie ahnen – bei diesem Austausch wurde man nie ärmer.

(Bis eines Tages einer kam und die Freude des Pelzchentausches verdorben hat.)

An diesen Pelzchentausch bei der Begegnung musste ich denken, als ich die Klopapierrolle in der lieben Versorgungstüte sah.

Meine verrückte Idee – wie wäre es, wenn wir in dieser Zeit, in der das Klopapier für die Sorge, Angst und Not steht, gegenseitig die Klopapierrollen austauschen?

Wenn ich so eine wertwolle (weiche) Klopapierrolle weggebe, wird es mir eng um Herz – wie lange reicht mein Vorrat aus? Werde ich zu kurz kommen? Wird der andere einen Überfluss haben? Was denkt die andere Person von mir?

Es könnte auch sein, dass ich mit der Rolle auch meine Sorge weggebe, dass ich durch das Verschenken Freude am Teilen spüre, dass ich mit meiner Gabe ein Lächeln auf das Gesicht meines Mitmenschen zaubere.

Bleiben Sie behütet!

 

P.S. Auch eine Klopapierrolle kann für eine Weile in Quarantäne.

Und austauschen kann man so vieles...

 

Ilze Druviņa

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de).

Mittwoch, 01.04.2020

Ein Lächeln schenken

In den Tagen, als wir noch lernten, auf das Händeschütteln zu verzichten und auf die Distanz zu achten, gab es mancherorts ein Schild zu sehen – Wir schenken Ihnen ein Lächeln. Oder: Ein Lächeln ist mehr wert als Händeschütteln. Oder so ähnlich.

Wir schenken Ihnen ein Lächeln.

Ich schenke dir ein Lächeln.

In diesen Tagen, an denen wir immer distanzierter werden, merke ich, dass auch das Lächeln mehr und mehr verschwindet. Obwohl dies genau gegen die Distanz wirken sollte.

Beim Einkaufen erlebe ich misstrauisch schauende Mitmenschen.

Die Verkäuferinnen und die Apothekenmitarbeiterinnen wirken sehr besorgt.

Wenn ich lächle, bekomme ich kein Lächeln zurück von der immer so freundlichen Dame beim Bäcker.

Ich möchte dem ein wenig trotzen.

Und deswegen nehme ich mir für die nächsten Tage dies vor: lächeln (auch wenn es mir nicht immer danach ist).

Immer, wenn ich einem Menschen begegne, lächeln. Lächeln auf Distanz.

Das Lächeln kann keinen Virus vertreiben. Auch die Angst und Sorge nicht.

Aber das Lächeln kann einen Augenblick der Leichtigkeit, der Freundlichkeit, der Zuwendung schenken.

Ich schenke Ihnen ein Lächeln. Ich schenke Dir ein Lächeln.

Ihre Pfarrerin Ilze Druviņa

 

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (ilze.druvinadontospamme@gowaway.elkw.de).

Dienstag, 31.03.2020

 

Der Spaziergang

Mein Arzt hat mir wegen meinen Rückenschmerzen viel Bewegung verordnet, denn im Sitzen und Liegen werden die Schmerzen schlimmer.

Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ich liebe die Bewegung und meine Spaziergänge in der Natur.

Zufälligerweise teilt die Hündin meiner Nachbarin dieselben Hobbies wie ich. Also während meine Nachbarin ins Geschäft muss, darf ich mir ihre Hündin ausleihen und mit ihr Gassi gehen. Das ist für uns beide ein Highlight des Tages.

Wir können miteinander die Natur genießen und das momentane herrliche Wetter.

Ella, so heißt meine neue Freundin, zeigt mir, dass die Welt voller Abenteuer steckt. Ich sehe plötzlich, dass die Krähen, die auch auf ein Leckerli aus sind, ein wunderschönes Gefieder haben. Mir ist bisher noch nie aufgefallen, wie interessant ein Laubhaufen ist und wie herrlich es darin raschelt. Auch erkenne ich jetzt erst, wie viel aufregender es ist, den Spaziergang nicht im Stechschritt zu machen, sondern gemächlich und immer auf der Suche nach einem leckeren Duft.

Somit sind die Corona Krise, meine Rückenschmerzen und die Sehnsucht der Hündin nach ihrem Frauchen für ein paar Stunden vergessen.

Mein Herz ist ganz erfüllt von den neuen Eindrücken und ich spüre dabei die liebevolle Umarmung von Jesus.

Wie schön ist es, eine Freundin zu haben, die einen so mag, wie man ist. Die sich unglaublich über ein Wiedersehen freut. Und das, obwohl wir uns „nur“ ein paar Stunden nicht gesehen haben.

Während ich gerade diese Gedanken zu Papier bringe, liegt Ella neben mir und wir beide sind einfach nur glücklich. Glücklich, dass keine von uns allein ist. Glücklich, dass sich hier zwei Seelenverwandte getroffen haben.

Schon seit Jahren wünsche ich mir einen Hund und habe diesen Wunsch aber immer wieder vertagt für die Zeit, wenn ich mal in Rente bin.

 

„Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass auch Sie von Gott ganz unverhofft beschenkt werden, wenn Sie schon nicht mehr daran denken.

 

Ihre Tanja Sieber

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (tani.jacobdontospamme@gowaway.t-online.de).

Montag, 30.03.2020

Das Geschenk

Gestern, als ich auf dem Weg zum Supermarkt war, fuhr ich am Haus meiner Kollegin vorbei, die ganz in der Nähe wohnt. Ihre kleine Tochter war gerade dabei, an der Hand ihres Papas Rollschuhfahren zu lernen. Ganz stolz hat sie mir gezeigt, wie gut sie schon fahren kann und mir erzählt, dass sie sich einfach sicher fühlt, wenn ihr Papa dabei ist. Denn er kann sie auffangen, wenn sie das Gleichgewicht verliert.

Auf meine Frage, ob ich den beiden was mitbringen soll, antwortete sie fröhlich:

„Ja – Schokolade!“ und drehte weiter vergnügt ihre Runden.

Als ich mit meinen Einkäufen fertig war, fiel mir Sophie wieder ein und ich packte noch eine leckere Tafel Schokolade in den Wagen und ging mit einem Schmunzeln damit an die Kasse.

Später am Abend brachte ich sie der Kleinen kurz vorbei. Sie lachte über das ganze Gesicht und kramte einen zerknitterten Zettel aus ihrer Jackentasche. „Guck, das habe ich für dich gemalt!“ Angestrengt faltete sie ihn auseinander und hielt ihn mir erwartungsvoll hin. Jetzt strahlte ich über das ganze Gesicht. Liebevoll gemalte Herz-Luftballons leuchteten mir fröhlich entgegen und auf der Rückseite war in Kinderschrift mein Name hingepinselt.

Die Schokolade verschwand sofort in der Jackentasche des Mädchens und sie hüpfte glücklich davon.

Daheim angekommen, öffnete ich noch meinen Briefkasten und heraus purzelte ein Buch, das mir eine Freundin hineingeworfen hatte.

Mit einer leckeren Tasse Tee, dem Brief von der kleinen Sophie und dem Buch meiner Freundin machte ich es mir auf dem Sofa gemütlich, eine Wärmeflasche im Rücken, und begann zu lesen. Die Worte aus dem Buch waren wie für mich und meine momentane Situation geschrieben.

Eine wohlige Wärme breitete sich in mir aus und ich spürte den Trost meines himmlischen Vaters.

Wie schön, sich gegenseitig gut zu tun, sich zu beschenken, füreinander da zu sein.

„Gott will dich segnen und du sollst ein Segen sein, spricht der Herr. (1. Mose 12,2)

 

Genießen auch Sie den Segen Gottes und spüren Sie ihm nach.

Wer weiß, vielleicht wartet ja schon jemand auf einen Brief von Ihnen?

 

Ihre Tanja Sieber

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (tani.jacobdontospamme@gowaway.t-online.de).

Samstag, 28.03.2020

Durch Nächstenliebe sich geborgen fühlen

Also ehrlich gesagt bekomme ich von der Corona Krise momentan gar nicht so viel mit. Ich bin gerade gesundheitlich ans Haus gebunden, habe noch kein Internet und keinen Fernseher. Ich genieße diese Zeit der Stille, die sich momentan um mich herum und auch in mir ausgebreitet hat. Ich brauche mir keine Sorgen mehr zu machen, ob ich meine Zeit auch wirklich sinnvoll nutze, sondern darf einfach mal daheim bleiben und mich voll und ganz auf meinen himmlischen Vater konzentrieren.

Auch meine Nachbarin ist immer mal wieder ein paar Tage zuhause. Sie kümmert sich in dieser Zeit ganz liebevoll um den Nachbarsjungen. Sie backt mit ihm Plätzchen, macht mit ihm Hausaufgaben, spielt mit ihm aufregende Spiele. Damit hilft sie seinen berufstätigen Eltern, aber in erster Linie diesem Jungen selbst. Er spürt, dass er eine Heimat hat, eine Person, die sich ganz uneigennützig Zeit für ihn nimmt und ihm damit zeigt, dass er wertvoll und willkommen ist.

Diese Geste der Nächstenliebe wird weite Kreise ziehen. Der Nachbarsjunge lernt, dass er sich geborgen fühlen darf. Bei seinen Eltern, aber auch gleich „nebenan“ bei seiner mütterlichen Freundin. Ganz ohne Bedingung, ganz ohne Leistung wird er aufgenommen und umsorgt.

Wenn dieser Junge in seinem späteren Leben mal selbst einer Krise oder den ganz normalen Stürmen des Lebens ausgesetzt ist, wird er diese bedingungslose Liebe seiner Nachbarin in sich tragen. Dies wird ihm Kraft geben, mit Angriffen und schwierigen Zeiten klarzukommen.

Schon Jesus hatte für die Kinder einen extra Platz in seinem Herzen und betont:

»Lasst doch die Kinder!

Hindert sie nicht, zu mir zu kommen;

denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen.«

(Mt 19,14)

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien eine segensreiche Zeit.

Auch wir dürfen als Seine Kinder Schutz bei Ihm suchen und uns bedingungslos lieben lassen.

 

Ihre Tanja Sieber

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (tani.jacobdontospamme@gowaway.t-online.de).

Freitag, 27.03.2020

Wüstenzeit

Die Corona-Krise wirft uns alle ein Stück weit auf uns selbst zurück. Für jemanden wie mich, der alleine lebt, ist das deutlich zu spüren. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass auch Familien auf sich selbst zurückgeworfen sind, da sie nun viel mehr Zeit miteinander verbringen dürfen, aber auch müssen.

Das öffentliche wie auch das private Leben in Deutschland wurde heruntergefahren. Es ist fast ein wenig so, als hätte uns unsere Lebensreise nun in die Wüste geführt. Vieles von dem, was wir gewohnt sind zu tun, ist nicht mehr möglich. Wüste. Viele Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Wüste. Belebte Plätze sind verwaist. Wüste. Wir dürfen zwar noch spazierengehen (zum Glück!), aber nur noch allein oder zu zweit oder in der Familie. Wüste. Oder zumindest Reduktion, Einschränkung, Abstand.

Wenn man von heute auf morgen in der Wüste landet, kann dieser besondere Lebensraum durchaus faszinieren. Aber er kann auch durch seine Leere erschrecken. Auf mehreren Reisen nach Israel und Namibia habe ich erlebt, wie man in der Wüste auf sich selbst gestellt ist und wie deshalb das Miteinander (etwa bei Wanderungen oder endlosen Fahrten mit dem Auto) an Bedeutung gewinnt. Zugleich ist man viel weniger abgelenkt und deshalb viel mehr bei sich selber.

Auch in der „Wüste“ der Corona-Krise zeigt sich, was in uns ist. Nach welchen Werten wir leben. Und über welche Quellen des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung wir innerlich verfügen – oder auch nicht.

Die Wüste bringt es an den Tag. Und so geschieht gerade in der Wüste das, was wir „Offenbarung“ nennen. Nicht von ungefähr waren die Wüstenzeiten für das Volk Israel besondere Offenbarungszeiten: sowohl die Wüstenwanderung zum Berg Sinai als auch die Wüstenzeit im Exil in Babylon. Die einen haben in der Wüste erfahren, was wirklich wichtig ist: die Gebote für ihr Leben, die Zusage Gottes, dass er bei uns ist, das Miteinander als Volk Gottes. Die anderen aber sind an der Wüste irre geworden: haben den Tanz um das sogenannte Goldenen Kalb aufgeführt, haben das Dasein Gottes in Zweifel gezogen, haben gemurrt und nur noch nach sich selbst geschaut.

Die Wüste führt in die Krise – und zwingt uns zu der Frage, wie wir leben wollen: nach welchen Werten, aus welchen Quellen, mit welchen Menschen, ob mit Gott oder ohne ihn.

Die Corona-Krise verhindert „business as usual“, wir alle werden zu neuen Lebenserfahrungen gezwungen. Nun zu entscheiden, was uns wirklich wichtig ist und wie wir leben wollen, ist vielleicht die Chance der Wüste, die in dieser Krise liegt.

Ihr Pfarrer Walter Schwaiger

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (walter.schwaigerdontospamme@gowaway.elkw.de).

Donnerstag, 26.03.2020

Sonnenblume

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt -

Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn -

hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:

Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Drei Miniaturen zu EG 98 zum Anhören: https://youtu.be/IZ7zwVRZ-8I

 

Dieses Lied aus unserem evangelischen Gesangbuch (EG 98) kommt mir in den Sinn, als der erste Sonnenblumensame sein Köpfchen aus der Erde streckt. Viele Tage habe ich nun nachgeschaut, ob meine gepflanzten Samenkörner aufgehen. In den Tagen als ich ständig die Nachrichten einschaltete, um zu erfahren, welche Entscheidungen rund um Corona fallen, dachte ich: „So kann es nicht über Wochen weitergehen, dann werde ich verrückt.“ Ich möchte dieser Krise etwas entgegensetzen. Als kleines Zeichen der Hoffnung habe ich verschiedene Samenkörner in die Erde gesetzt. Und nun ist es die Sonnenblume, die als erstes die Dunkelheit der Erde durchbricht. Ich stelle mir vor, wie ich im Sommer draußen im Garten sitze, ihre Blüte betrachte und Gott danke, dass er uns durch die Nacht begleitet hat.

Ihre Pfarrerin Nicole Gneiting

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (nicole.gneitingdontospamme@gowaway.elkw.de). 

Mittwoch, 25.03.2020

Wir sind nicht allein unterwegs

Draußen strahlt mir die Sonne entgegen, der Himmel ist wolkenlos blau. Noch darf ich nach draußen gehen, meine gewohnte Runde über den Ochsenberg laufen. Oben ist es wie immer unter der Woche: ruhig und friedlich. Von Zeit zu Zeit kommen mir andere Spazierende entgegen. Trotz Sonne ist es heute kalt und eisig. Der Wind fegt über die Alb. Warm eingepackt mit Winterjacke, Mütze und Schal steure ich trotzdem meine vertraute Bank an und lasse den Blick und die Gedanken schweifen. Alles scheint wie immer und doch fühlt es sich anders an. Ein wenig braucht es, bis ich begreife: Oft laufe ich diesen Weg, um der Unruhe und dem Zuviel der Aufgaben zu entfliehen. Zwischen Berg und Alltag liegt eine Trennwand, die ich durchschreite. Jetzt aber spüre ich, der Unterschied ist kleiner geworden. Mein Leben hat sich nach der ersten Schock-Unruhe verlangsamt. Das hohe Lebenstempo macht momentan keinen Sinn. Es stellt sich ja eher die Frage, womit fülle ich meinen Tag, wenn ich nicht mehr von einem Termin zum anderen springe.

Als Verantwortliche in der Gemeinde machen wir uns gerade Gedanken, wie wir Karfreitag und Ostern feiern können, wenn wir als Gemeinde auf vertrautem Weg nicht zusammenkommen dürfen. Das ist gar nicht so einfach, denn die meisten Ideen laufen am Ende in der Kirche zusammen mit Menschen, die dorthin kommen. Aber aus Verantwortung heraus geht das ja nicht.

Während meines Spaziergangs kommt mir in den Sinn: Haben wir jetzt nicht die Situation, die wir uns in der Adventszeit immer wünschen? Ruhe finden, entschleunigen, mit der Familie zusammenkommen, einfach mal nichts tun, Herz und Ohren auf Lauschen stellen, um Worte von Gott wahrzunehmen.

Die Passionszeit ist wie der Advent eine Vorbereitung. Sie möchte einen Raum eröffnen, um sich mit dem zu verbinden, was uns unsere Lebensenergie schenkt – GOTT. In unserer christlichen Tradition ist diese Vorbereitung mit dem Verzichten verbunden – Fastenzeit. Für dieses Jahr stand das Klimafasten (https://www.klimafasten.de/) auf dem Programm. Und nun kommt mir der Gedanke: Sollte Gott uns fragen, wie ernst ist es euch mit diesem Wunsch? Wollt ihr wirklich verzichten?

Wenn dieses Virus nicht so unglaublich lebensbedrohlich wäre und viele in ihrer Existenz erschüttert, andere an den Rand ihrer Kräfte bringt, würde ich sagen, es tut uns gut, unsere Lebensweise endlich ernsthaft zu hinterfragen und Konsequenzen zu ziehen.

Auf meinem Spaziergang komme ich ins Gespräch. Ja, mit mehr als 2m Abstand, aber auch so können wir uns unterhalten. Wir stellen fest, diese Krisenzeit trägt auch etwas Gutes in sich, sie zwingt uns zur Ruhe und zum Nachdenken. Außerdem sehnten sich viele nach Entschleunigung, mich eingeschlossen.

Gleichzeitig spüren viele auch den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, eine Aufgabe zu haben, für andere da zu sein. Das ist für mich die andere Seite der Entschleunigung. Es werden Energien freigesetzt, damit Neues wachsen kann. Krisenzeiten bergen ja immer auch Chancen.

Und damit wandern meine Gedanken zurück zum Kirchenjahr. Bevor Jesus Christus aufersteht und uns damit Mut macht, nie die Hoffnung aufzugeben, geht er den Weg des Sterbens. Er geht in die tiefste Dunkelheit und Krise. Die Welt steht still und hält den Atem an. Damals vor 2000 Jahren wusste auch niemand wie es weitergeht, genauso wie wir es heute nicht wissen. Aber mit dem kleinen Unterschied, dass wir Ostern kennen, den Moment der Auferstehung zurück ins Leben. Dieses Hoffnungsfest leuchtet uns entgegen und spricht: geht den Weg durch die Krise und seid gewiss, etwas ganz Neues wird geschehen. Gerade in diesen Zeiten seid ihr nicht allein.

Ihre Pfarrerin Nicole Gneiting

Wenn Sie mir Ihre Gedanken schreiben wollen, freue ich mich (nicole.gneitingdontospamme@gowaway.elkw.de).

Montag, 23.03.2020