Ein Gang durch die Martinskirche

Auffallend ist das Sgraffiti über dem Chorbogen. Es stellt den „Jüngsten Tag“ dar und wurden 1954 von Prof. Rudolf Yelin jr., Stuttgart entworfen.
Die holzschnittartige Formensprache zeigt deutlich das Stilempfinden der Nachkriegszeit. 

Die reich mit Blattgold geschmückte Kanzel ist ein Werk von 1662. Erstaunlich: Eine so prachtvoll ausgestattete Barockkanzel in einer sonst kargen altwürttembergischen Kirche.  Ihr Farbenreichtum wurde erst beim Umbau 1954 wieder hergestellt – vorher war sie braun übermalt.

Der schmale mittelalterliche Chor ist von einem schönen, auf Konsolen ruhenden Rippengewölbe bedeckt. Es war ein kühner Entschluss des Architekten von 1905, Prof. Schmohl, den Chor stehen zu lassen und ihn mit seiner Jugenstilkirche zu vereinen. Die Chorfenster, die nach Entwürfen von Rudolf Yelin von dem Stuttgarter Künstler Adolf Saile geschaffen wurden, stammen von 1954. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament – in der Mitte das Kernstück des christlichen Glaubens: Tod und Auferstehung des Herrn. 

Das Kruzifix stand früher über dem Altar. Der schöne Corpus stammt vermutlich aus dem 15./16. Jahrhundert. Das Holzkreuz ist jünger.

An der Nordseite des Chores befindet sich ein Hochrelief. Es stellt das Grabmal des Heinrich von Ringelstein, genannt „Affenschmalz“ dar. Er starb durch einen Pfeilschuss verletzt, an einer Blutvergiftung und wurde 1413 in Ebingen beigesetzt.

Die Tür an der Nordseite des Chores führt in die alte Sakristei. Der Raum ist vermutlich das älteste erhaltene Mauerwerk der alten Stadt Ebingen. Über der alten Sakristei stand bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Turm der frühgotischen Kirche. Als dieser Turm abgebrochen und daneben der jetzige Turm gebaut wurde, mussten zwei, jetzt noch sichtbare Fensteröffnungen zugebaut werden. Die alte Sakristei beherbergt heute den eindrucksvollen Totentanz bestehend aus 21 Terrakottareliefs, geschaffen von der Künstlerin Margarete Schepelmann-Groz. Von ihr stammen auch die 12 Bronzetafeln mit Szenen aus dem Leben Christi an der nördlichen Chorwand. 

Ein Schmuckstück der Kirche - neben dem alten Taufstein, der heute Besucherinnen und Besucher einlädt, eine Kerze anzuzünden und inne zu halten - ist das doppelseitige Relief des Heiligen Martin (13./14.Jhd.), des Schutzpatrons der Kirche. Es befand sich ursprünglich über dem Nordportal der alten gotischen Kirche. Ein Modell dieser gotischen Kirche ist neben dem Relief zu sehen. Das wohl älteste erhaltene Detail einer der Vorgängerkirchen ist der Tragstein (?) mit der Figur, die ihre Hände zu beiden Seiten des lächelnden Gesichtes hebt.  

Beim Einbau der neuen Orgel wurden unter den Emporen noch erhaltene Decken mit Bemalung aus der Jugendstilzeit entdeckt und teilweise freigelegt.

Ende 2002 wurde die heute 52 Register umfassende Orgel eingeweiht.

Sie wurde durch Spenden, die der Orgelbauförderverein sammelte, finanziert. Ein dreimanualiges Instrument, das klassische wie romantische Kirchenmusik gleichermaßen zum Klingen bringt. Die Orgel bietet eine breite und vielfältige Palette an Klangfarben. Gebaut wurde die Orgel von der Orgelwerkstätte Rensch Lauffen/Neckar. Klaus Rensch hat die Orgel in ihrem Kopfteil mit sieben Medaillons geschmückt – sie stellen die sieben Schöpfungstage dar und verbinden auf ihre Weise die Musik mit dem Kosmos. 

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