Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg | Orgel-Seminare zum Gottesdienst

»Was haben Sie denn an Arbeit zu leisten, außer vielleicht sonntags in Gottesdiensten die Orgel zu betätigen?«
So oder ähnlich werden kirchenmusikalisch aktive Menschen in den Haupt- und Nebenämtern unserer Kirche immer wieder auf ihr Arbeitsfeld angesprochen.

© Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg

Wie viele Hintergründe das Ausfüllen einer kirchenmusikalischen Tätigkeit umfasst und wie viele Aufgaben es konkret beinhaltet, ist selbst nicht allen Kolleginnen und Kollegen in der kirchlichen Mitarbeiterschaft bewusst. Neben den musikalischen Kernfeldern, der Orgel, den unterschiedlichen Chören, dem Posaunenchor, einem Instrumentalkreis aus Streichern oder Blockflöten, einem Orchester oder Kammermusik, spielen Organisation, Management und Netzwerk eine zentrale Rolle.

Auf Einladung des Verbands Evangelische Kirchenmusik in Württemberg fand am 25. Mai unter der Überschrift ‚Vom Choralknecht zu hymnologisch-liturgischer Reflexion‘ ein Orgel-Seminartag in der Evangelischen Stadtkirche in Geislingen an der Steige statt. Das Orgelspiel im Gottesdienst mit spannenden Ideen, Tipps und Tricks zu reflektieren und weiterzuentwickeln, war für diesen Tag im Kern das Hauptthema. Es war mir ein großes Vergnügen, auf Einladung der Bildungsreferentin, diesen Tag mit einem vollbesetzten Kurs und damit 17 äußerst motovierten, nebenberuflich tätigen Organistinnen und Organisten zu verbringen. Vom Jugendlichen in der C-Ausbildung, über bereits geprüfte junge Menschen bis hin zu altgedienten nebenamtlichen Kolleginnen und Kollegen mit reichhaltiger Gemeindeerfahrung, traf dabei ein breites Wissens- und Interessensspektrum aufeinander.

Von 10 bis 17 Uhr waren wir im Austausch über verschiedene Möglichkeiten, eine Intonation zu einem Choral zu gestalten oder auch ein längeres Choralvorspiel zu entwerfen. Dabei lag das Hauptaugenmerk auf ausgewählten Liedern des Evangelischen Gesangbuches sowie des neuen Liederbuches ‚Wo wir dich loben PLUS‘, die im Vorfeld von den Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern erarbeitet wurden. Auch einige Literaturstücke brachten die Organisten mit. Dabei wurde hauptsächlich an interpretatorischen Fragen gearbeitet. Für viele der Kursteilnehmer war es zudem eine neue Erfahrung an einem solch großen Instrument, wie der Orgel der Stadtkirche in Geislingen zu spielen, die mit ihren 69 Registern auf 3 Manualen und Pedal die größte im Landkreis Göppingen ist.

Weiteres Gesprächsthema war u. a. die Kommunikation zwischen Orgelspielenden und Pfarrerinnen, Pfarrern und sonstigen Liturgen bei der Liedauswahl sowie Methoden zur Einführung in aktuell neues und somit unbekanntes Liedgut. Im Austausch der Gruppe untereinander war spannend zu erleben, wie reflektiert alle mit den ihnen anvertrauten Themen umgehen. Dazu gehört deren Bewusstsein für den reichen Liederschatz unserer Kirchen, die Verantwortung für die gewachsenen und wertvollen Traditionen unserer Gottesdienste und kirchenmusikalischer Traditionen und die sinnvolle und weise Integration von Veränderungsprozessen, wie beispielsweise die Änderung der Perikopen, wo wir an vielen Stellen im Blick auf die Wochenlieder nicht mehr automatisch auf bisherige Orgelwerke zurückgreifen können.

Am Samstag, dem 21. September 2019 findet dieses Seminar-Angebot erneut unter meiner Leitung auf landeskirchlicher Ebene ebenfalls von 10 bis 17 Uhr an der Rensch-Orgel in unserer Martinskirche statt. Nähere Informationen können Sie gerne unserem aktuellen kirchenmusikalischen Jahresprogramm, der homepage oder dem Fortbildungsangebot des Verbands Evangelische Kirchenmusik in Württemberg entnehmen.

Fazit: Am Ende des Veranstaltungsangebots waren die Rückmeldungen sehr erfreulich. Aus der Fülle neuer Informationen und Impulse konnte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer viel für sich selbst von dem mitnehmen, was in nächsten Gottesdiensten zum Einsatz kommen wird. Innerhalb des Seminar-Settings ist uns allen einmal mehr deutlich geworden: Es gibt nur zwei Arten von Musik zum Lobe Gottes in unserer Liturgie, Gute und Schlechte. Dabei spannt sich ein großer musikhistorischer Bogen von der vorreformatorischen Zeit bis hin zum Neuen Geistlichen Lied unseres 21. Jahrhunderts. Und die Maßgabe dafür, ob die Herzen und Sinne der Menschen erreicht werden können, hängt im Wesentlichen von der Qualität ihrer Ausführung ab.


Kantor Steffen Mark Schwarz

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