Bericht über das BOGY-Praktikum bei Kantor Steffen Mark Schwarz | Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium

Da ich später einmal die Musik zu meinem Beruf machen möchte, bot sich das Praktikum bei Kantor Steffen Mark Schwarz an der Martinskirche an.

Schon immer wollte ich einmal Orgel spielen, dirigieren und im Chor singen.

 

Im Vorgespräch mit Herrn Schwarz im Beisein meiner Eltern im Juni warnte er mich, dass die Musik zwar wesentlicher Bestandteil seines Berufes ist, aber leider auch viel Bürokratie dazugehört.

Die Praktikumswoche startete am Dienstag, 2. Juli.
Für den Verband Evangelische Kirchenmusik in Württemberg leitete Herr Schwarz in Rottweil die jährliche Audition für professionelle Sängerinnen und Sänger. Aufgabe für ihn, weitere Kantorinnen und Kantoren der Landeskirche und mich als Praktikant war es, aus 20 Einzelvorträgen herauszufinden, welche Sängerinnen und Sänger sich als Solisten für die Aufführung u. a. großer Oratorien eignen.

Am Mittwochvormittag durfte ich im Spitalhof die Klavierbegleitung von etwa acht verschiedenen Kinderchorliedern, die für die Proben der Kinder und den Gottesdienst am 7. Juli vorgesehen waren, am Flügel üben. Vorgegeben waren nur die Melodien. Ich sollte dazu passende Begleitungen improvisieren. Herr Schwarz ließ mir dafür ca. zwei Stunden Zeit und war mit mir sehr zufrieden.

Um 19 Uhr ging es im Spitalhof mit der Stimmbildnerin Carla Thullner weiter. Sie leitete nach der Registerstimmbildung später auch das Einsingen mit effektiven Übungen aller; um 20 Uhr fand dann anschließend die wöchentliche Probe der Kantorei unter der Leitung von Herrn Schwarz statt. Geprobt wurde im Wesentlichen das Stück »Sonnengesang« von Mathias Rehfeldt, das extra für die Kantorei komponiert und beim ‚Tag der Stimme‘ uraufgeführt wurde. Ich fühlte mich geehrt, dass Herr Schwarz mir erlaubte, den Chor für einen Teil des Stückes zu dirigieren.

Am Donnerstag fand dann um 9.30 Uhr die Probe der Kinderchorgruppen der KiTa Regenbogen mit musikalischem Schwerpunkt in der Emmauskirche statt, ebenfalls unter der Leitung von Herrn Schwarz. Ich begleitete den Kinderchor als Korrepetitor mit den tags zuvor erarbeiteten Klavierbegleitungen.

Am Freitag um 12 Uhr spielte Herr Schwarz unter dem Titel ‚OrgelPunkt12‘ für etwa 20 Minuten in liturgischem Rahmen die große Rensch-Orgel der Martinskirche. Ich konnte dabei helfen, die Register einzustellen. Nach dem Konzert durfte ich die Orgel eine Zeit lang alleine ausprobieren. Ich war fasziniert, wie viele Klangfarben aus diesem Instrument herauszukriegen waren.

Zur Marktmusik am Samstag fiel der Organist Lennart Faustmann wegen eines Unfalls aus. Herr Schwarz sprang für ihn ein und spielte auf der Rensch-Orgel u. a. den »Wilden Reiter« von Robert Schumann für Klavier, den man so noch nie gehört hat, in einer eigenen Bearbeitung für die Orgel. Das Publikum und ich waren begeistert.

Um 15 Uhr fand eine Trauung mit Pfarrer Schwaiger statt. Mich beeindruckte die Improvisationskunst des Kantors bei den Intonationen und der Eingangs- und Ausgangsmusik. Ein Gospelchor aus Balingen sang zusätzlich Gospels und Spirituals. Alles war sehr mitreißend.

Nach der Trauung bauten wir das E-Piano samt Lautsprecheranlage neben dem Altar für den Festgottesdienst am Tag darauf auf. Danach konnte ich die Kinderchorlieder zur Vorbereitung auf den anstehenden Festgottesdienst auf diesem E-Piano ausprobieren.

Am Sonntag um 8.45 Uhr fand die Anspielprobe zum Festgottesdienst statt. Ich saß bei Herrn Schwarz auf der Orgelbank und schaute ihm zu, wie er nochmal die verschiedenen Registrierungen überprüft hat. Um 10 Uhr fand der Festgottesdienst mit wesentlicher Beteiligung singender KiTa-Kinder statt, die ich vom E-Piano aus eigenständig angeleitet und begleitet habe.

Fazit: Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen. Vor allem beeindruckte mich die Vielseitigkeit musikalischer, menschlicher und organisatorischer Aufgabenstellungen.

 

Ich bedanke mich bei Herrn Schwarz für die tiefen Einblicke in den Beruf eines Kantors und auch dafür, dass ich an verschiedenen Stellen aktiv mitwirken durfte.

Jan Luka Diebold