Der Witz an der Sache

Ich kann keine Witze erzählen. Ich lache aber mit, wenn andere wirklich gute Witze erzählen können. Gar nicht lustig finde ich es, wenn Witze auf Kosten anderer gemacht werden. In Diktaturen entwickelt sich eine Witz-Subkultur (gerade weil die Verbreitung von Witzen äußerst riskant ist). Salcia Landmann (1911-2002) hat in ihren Büchern Witze aus dem Judentum Osteuropas gesammelt. „Typisch“ dafür war die Fähigkeit, scheinbare Gewissheiten paradox zu hinterfragen, sich mit Wortwitz zu wehren, sich selbstironisch auf den Arm zu nehmen, Trauer in Hoffnung zu verwandeln, gerade zu Zeiten, wo alles Lachen im Halse stecken bleibt. Der jüdische Humor hat eine lange Tradition.

Wie hält es denn die Christenheit mit dem Humor? Es gibt Narrenpredigten und gutes Kirchenkabarett; das Osterlachen wird wiederentdeckt und in unseren Kirchen darf auch herzlich gelacht werden (vor Jahren hörte ich noch die Ansicht, dass es im Himmel kein Lachen gäbe, nur ein seliges Lächeln). Biblisch ist der Humor schon, von Anfang an, als sich die Verfasser des ersten Schöpfungsberichtes über die babylonische Vielgötterei auf ziemlich respektlose Weise lustig machten. Das Augenzwinkern, mit dem viele biblische Geschichten erzählt werden, bemerken wir durch unsere Hörgewohnheiten oft leider nicht mehr. Dabei ist unser Herr, der Jude Jesus, ein Meister des Humors. Jesus fordert seine Zuhörerschaft heraus, vertraute Denkmuster zu verlassen, er provoziert und entschärft durch seinen Humor und lädt so ein, zum Bestehenden Distanz einzunehmen und sich auf den Weg zu Gott zu machen. Sein Kreuzestod ist oft Anlass für Witze gewesen, ist aber beileibe kein Witz. Der „Witz“ an der Sache: Jesus hat auf alle Gewalt verzichtet und doch nicht vor den Mächten des Todes kapituliert. Jesus fordert Umkehr und Nachfolge. Seine grotesken Vergleiche dazu sind sprichwörtlich: Er spricht vom Balken im Auge – vom Kamel und dem Nadelöhr – vom Vater, der seinen Kindern einen Stein zum Essen anbietet – von den Toten, die ihre Toten begraben sollen – von Leuten, die die Mücke herausfischen und das Kamel verschlucken.

Wir kennen die Pointen halt schon … und können sie dennoch nicht oft genug hören und nachlesen.
Viel Spaß dabei wünscht Marlies Haist  

 

 

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