Hoffentlich kommt es nicht so schlimm, wie es jetzt schon ist

(Karl Valentin)

 

Es prangte in der Küche unserer Studenten-WG, das Plakat mit der Weissagung aus dem Stamm der Cree: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ 35 Jahre ist das jetzt her. Einfach wollten wir leben, im Einklang mit den Rhythmen der Natur. Jute statt Plastik war unsere Devise, wir demonstrierten gegen Atom- kraft und für Konsumverzicht. Das fiel mir alles wieder ein, als einer der Bauern, der nach der Missernte staatliche Unterstützung erhielt, nur meinte, dass ihm das Geld natürlich willkommen ist, er aber nicht weiß, wo er Futter für seine Rinder kaufen soll. Es wachse ja nichts. Scheint zu stimmen: Man kann Geld nicht essen. Dürre, Hitzewellen, Starkregen und Tornados werden zunehmen. Kli- maforscher prophezeihen eine „Heißzeit“ wenn der Ausstoß von Koh- lendioxid nicht drastisch zurückgefahren wird. Weniger fliegen, weniger autofahren, weniger Fleisch essen, so lautet ihre Empfehlung. So lautete sie vor 35 Jahren auch schon. Wir wissen es. Trotzdem beuten wir die Ressourcen der Erde weiter aus und streben noch immer Wirtschaftswachstum an. Warnungen und Fakten bleiben abstrakt, bis man sie am eigenen Leib spürt. Viele warten auf politische Entscheidungen und mindestens ebenso viele machen einfach weiter wie bisher, weil der Einzelne vermeintlich ja sowieso nichts ändern kann. „So schlimm war es doch gar nicht“, wiegeln viele ab. Die Bäume biegen sich doch vor Obst und der Wein wird exzellent. Ganz pragmatisch meinte einer, dass man die Terrassen wohl zukünftig an der Nordwestseite des Hauses einrichten muss. Sich anpassen wird eine Weile sicher auch noch funktionieren, aber „abwarten und Tee trinken“ ist womöglich keine gute Option. Ich werde mal anfangen und das tun, was mir möglich ist. Und mich an die Bibel halten: „Du schonst aber alles; denn es gehört dir“ (Weisheit 11.26a).

Ihre Gisela Pullwitt

 

 

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