© Sabine Kemmler

Die kostbarsten Wochen des Jahres…

Urlaub ist eine verrückte Zeit.

Da begibt man sich freiwillig in eine völlig fremde Umgebung und findet es dann auch noch erholsam, dass nichts so ist, wie man es von zu Hause her kennt. Obwohl: Urlauber, die jedes Jahr an denselben Ort fahren und selbst im tiefsten Dschungel ihr Wiener Schnitzel essen wollen, sprechen da eine andere Sprache. Professor Heil von der Uni in Heidelberg beschäftigt sich mit dem Fremdsein aus historischer Sicht. Er schreibt: „Im Urlaub begebe ich mich aus Neugier absichtlich in den Zustand des Fremdseins. Neugier gehört zum Wesen des Menschen. Wir nutzen die neue Umgebung, um uns persönlich zu erweitern.“ Das macht Spaß, solange ich in der Fremde zurechtkomme, solange genug Geld da ist und irgendwie die Verständigung klappt und sei es mit Händen und Füßen. Vor allem macht das Ganze Spaß, wenn ich weiß, dass alles nur begrenzt ist und ein Zuhause auf mich wartet. Für die vielen Flüchtlinge ist das Ganze sicher weniger lustig. Das Fremde hat eine wichtige Funktion: Es hilft mir, meinen eigenen Standpunkt zu bestimmen. Mich abzugrenzen von dem Neuen oder es als interessant anzunehmen und in mein Leben zu integrieren. Fremdes ist ja nur deshalb fremd, weil ich es selbst so definiere. „Kenn ich nicht“, sagen wir dann. Aber es liegt an uns, es kennenzulernen und zu einem Teil des eigenen Lebens zu machen. Mir geht es nach jedem Urlaub so, dass ich ein paar Tage lang Mühe habe, mich wieder an das Leben hier anzupassen. Ich „fremdele“, sozusagen. Und das ist vielleicht ganz gut so. Denn es bringt mich dazu, nicht einfach in den gewohnten Trott zurückzufallen, sondern wenigstens für einige Zeit zu hinterfragen, warum ich eigentlich tue, was ich tue. Und jedes Mal habe ich das Gefühl, ein bisschen mehr von der Fremde in meinen Alltag herüberzuretten. Das ist ein schöner Traum, dass alle Menschen von anderen Kulturen etwas lernen. Bis es keine Deutschen, Chinesen oder Franzosen mehr gibt, sondern nur noch Kosmopoliten, Erdenbewohner. Da hätte Gott seine Freude, denn so war es ja mal geplant… Fühlen Sie sich zu Hause, wo auch immer Sie sind.

Ihre Gisela Pullwitt

 

 

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