Ein gutes Wort sagen

Vor vielen Jahren hatten wir es uns zur Gewohnheit gemacht, jede Woche eine Postkarte zu schreiben. Es dauerte nicht lange, ein paar Sätze, ich konnte kurz meine Gedanken sortieren, was habe ich in den vergangenen Tagen erlebt, was war bedeutsam, welche Ermutigung möchte ich meiner Freundin für die kommenden sieben Tage mitgeben? Dieser Austausch begleitete uns bestimmt zwei Jahre lang. Wie freute ich mich jede Woche auf ihre Post. Schade eigentlich, dass wir das im Trubel der wachsenden Anforderungen des Alltags eingestellt haben.

Was wäre, wenn ich wieder anfangen würde, jede Woche einem Menschen, mit dem ich mich verbunden fühle, einen kurzen Gruß zu schicken? Jede Woche eine kleine Freude verschenken, ein gutes Wort sagen, Erinnerungen hervorholen. Ja, per E-Mail und Whatsapp verschicke ich viel, auch gute Gedanken, aber das geht so schnell, sowohl das Schreiben, als auch das Lesen. Was davon bleibt in meinem Herzen? Handgeschriebene Worte sagen mir: „Ich nehme mir Zeit für dich.“ „Du bist mir wichtig.“
Eine schöne Postkarte kann ich mir auf den Schrank stellen und sie begleitet mich auf ganz andere Weise als eine digitale Nachricht, die in den Untiefen der Computerablage verschwin- det. Was wäre, wenn ich mich ab und an hinsetze und schreibe, zum Briefkasten laufe und damit einem anderen das Gefühl gebe: „Ich habe an dich gedacht!“

„Benedicere“, das lateinische Wort für segnen, bedeutet übersetzt: „das gute Wort sagen“. Es kostet nicht viel, aber es verändert die Welt, vielleicht nicht die große, aber meine kleine. Ein gutes Wort – Segen – macht Mut und gibt mir Rückendeckung, es heilt und tröstet. Im Segen steckt die Kraft Gottes.

Ihre Pfarrerin Nicole Gneiting

 

 

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