Die Thomaskirche

Thomaskirche

Ostheimstr. 36, 72458 Albstadt

Zur Geschichte

Begonnen hat evangelisches Gemeindeleben hier bereits 1956 ganz bescheiden mit Kindergarten und Pfarrhaus. Die Grundsteinlegung der Kirche war vier Jahre später am 11.08.1960. Und noch im selben Jahr nur vier Monate später feierte man das Richtfest und empfing die Glocken. Der erste Gottesdienst wurde dann am 24.09.1961 gefeiert. 1960 lebten ca. 5000 Menschen in der Oststadt, davon waren ca. 3000 evangelisch. Viele dieser Menschen waren Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten, aus der Tschechoslowakei, Polen, Russland, Jugoslawien.

Nicht wenige fanden nach jahrelangem Zuchthaus, Konzentrationslager, nach Enteignung und Vertreibung in der Oststadt eine neue Heimat.

Die Erinnerung war geprägt von Trauer, Leid und Not um Verlorenes.

Manch einer konnte aufgrund dieser Erfahrungen nur schwer mit einer Kirche umgehen, die doch als zentrales Thema die frohe Botschaft, die Vergebung und Nächstenliebe predigt.

Namensgebung

 

Vor diesem Hintergrund verwundert es eigentlich nicht mehr, dass gerade der zweifelnde und ungläubige Thomas dieser Kirche seinen Namen gab.

In der Festschrift steht: „Seine Geschichte ist auch die Geschichte der Menschen unserer Tage. Seine Zweifel sind auch unsere Zweifel. So wie er zum Glauben kam – so werden auch wir lernen, Jesus Christus unseren Herrn und Heiland zu nennen.“

 

Und in der Urkunde zur Grundsteinlegung ist festgehalten:

„Wir bauen dieses Gotteshaus, weil wir glauben, dass die Menschen an diesem Ort ihrem himmlischen Vater begegnen und dabei für die Zeit Mut und Kraft gewinnen und eine trostvolle Zuversicht für die Zukunft. Der Kirchengemeinde-rat hat beschlossen, der werdenden Kirche den Namen des Jesus-Jüngers Thomas zu geben. Wie Thomas, der Zweifler und Ungläubige, durch seinen Herrn zum Glauben überwunden wurde, so sollen auch in dieser Kirche die Menschen unserer Zeit durch das mächtige Wort unseres Herrn gläubig und selig werden. Seien wir stets eingedenk dieser Tatsache, dass wir unseren Glauben und unser Christ sein dem Wirken unseres Herrn verdanken.“

Die Plastik von Ulrich Henn

Es ist eine kleine Gruppe Menschen, nicht alle Jünger sind dargestellt.

Die einzelnen Figuren sagen eigentlich wenig aus- die Plastik wirkt nur als ganzes Bild. Schlichte, fast gar grobe Konturen und geringe Mimik. Die Gesten der Menschen zeigen Erstaunen und Verwunderung. Einer schaut nicht auf die Szene sondern zum Betrachter ins Kirchenschiff. Vielleicht will ihn auffordern, ebenfalls herzuzutreten und seine Skepsis zu überwinden?

Jesus in der Mitte ist nicht mehr von dieser Welt – er scheint zu schweben. Thomas berührt die Wundmale oder will sie gerade berühren. Er darf das unerhörte tun und überprüfen, im wahrsten Sinne des Wortes b e g r e i f e n. Er will oder kann sonst die Osterbotschaft nicht glauben. Die Plastik zeigt den Noch-Zweifler Thomas kurz vor der Erkenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ Und doch ist er schon mittendrin, hereingenommen in den Kreis derer, die bereits dazugehören, die glauben.

Thomas hat den schwersten und weitesten Weg zum Glauben an den lebendigen Herrn, aber im Nachhinein betrachtet, ist er wahrscheinlich am weitesten von allen gekommen. Damit ist Thomas nur der erste in einer langen Reihe von Menschen seit 2000 Jahren, die einmal ganz nahe bei Jesus und seiner Sache waren und durch eine innere oder äußere Katastrophe in ihrem Leben zu zweifeln begonnen haben und aus der Kreismitte an den Rand oder sogar ganz aus dem Kreis ausgetreten sind. Ihnen gilt die Einladung dieser Kirche mit ihrem bedeutungsvollen Namen.

 

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