Die Glücksmomente des Frühlings

„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ – nach einem langen, kalten und grauen Winter können es die meisten von uns kaum erwarten, dass der Frühling, wie Eduard Mörike ihn in seinem bekannten Frühlingsgedicht beschreibt, uns mit seinem blauen Band berührt und beflügelt und alle unsere Sinne zu neuem Leben erweckt und erfüllt.

Der Winter gleicht der Gefangenschaft und jede Form der Gefangenschaft, äußerlich wie innerlich, gleicht dem Winter. Dietrich Bonhoeffer hat hierfür Worte gefunden, die ähnlich einprägsam sind wie die Mörikes; er schreibt, er fühle sich in seiner Gefängniszelle „unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe“. Wintergefühle. Wintergedanken.

Der Frühling ist die Jahreszeit, die wir am sehnsuchtsvollsten erwarten. Der Frühling ist für manch einen von uns der Grund, die Hoffnung nicht aufzugeben, sondern weitermachen und weiterleben zu wollen. Denn der Frühling bringt göttliche Momente mit sich. Das blaue Band, aber auch der ferne Harfenton in Mörikes Gedicht deuten seine himmlische Dimension an. Der Frühling ist immer auch österliche Zeit und lässt uns schon jetzt erleben, was dereinst sein wird.

Genießen wir also mit Leib und Seele die Glücksmomente des Frühlings und freuen wir uns des Lebens – zum Lobe Gottes!

Walter Schwaiger

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist‘s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike

Er ist‘s

 

 

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